Der 77-jährige Ed Meyer erwägt erstmals den Rückzug aus dem Grey-Konzern
Der Werbepatriarch

Das ist schon eine kleine Sensation: Jahrelang hat sich der 77-jährige Edward Meyer, CEO, Chairman und Hauptanteilseigner des Werbekonzerns Grey, geweigert, eine Nachfolgeregelung zu treffen. Jetzt denkt er in einem Zeitungsinterview plötzlich laut darüber nach, unter welchen Bedingungen er einen Rückzug aus dem weltweit siebtgrößten Werbekonzern erwägen könnte.

FRANKFURT/M. Und schon bekommt die in der Branche immer wieder aufflammende Spekulation um die Zukunft des weltweit siebtgrößten Werbekonzerns einen neuen Schub. Meyer soll die Investmenthäuser Goldman Sachs und J.P. Morgan Chase damit beauftragt haben, die strategischen Optionen für den angesehenen Kommunikationskonzern zu prüfen – Verkauf nicht ausgeschlossen.

„Es gibt drei Gründe, warum ich gehen könnte“, erklärte Ed Meyer vergangene Woche beim Werbefestival in Cannes den Reportern der „Financial Times“: „Es gibt nichts mehr zu tun. Ich bin nicht mehr produktiv, oder der Agentur geht es nicht gut, und ich muss, weil ich ihr Chef bin, die Konsequenzen ziehen.“ Das sagt der Mann, der in mehr als dreißig Jahren die US-Werbeagentur Grey zu einer globalen Kommunikationsgruppe geformt hat. Aber, beeilt sich der Werbepatriarch zu ergänzen: Nichts davon sei bisher eingetreten – aber irgendwann könnte das sein.

Die Analyse ist nüchtern, und das passt zu Ed Meyer. Schließlich kommt er von der kaufmännischen Seite, war bei Bloomingdale’s-Warenhäuser und Blow Advertising bevor er Mitte der 50er zu Grey kam. 1968 wurde er Präsident und stieg zwei Jahre später zum Chief Executive Officer und Chairman auf. Seitdem hat er den Umsatz auf 1,3 Milliarden Doller verfünfzigfacht und die Agentur in 90 Länder rund um den Globus gebracht.

Allerdings hat die Werbekrise in den vergangenen Jahren auch dem großen Kommunikationskonzernen deutlich zu schaffen gemacht: Zuletzt ist Grey nicht mehr gewachsen und blieb auch bei der Gewinnmarge deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Also ist es vielleicht doch Zeit, dass sich andere Gedanken über die Zukunft des siebtgrößten Werbekonzerns der Welt machen – denn ein Unternehmen umzubauen braucht seine Zeit.

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