Der Aktionär braucht kein exklusives Penthouse
Wenn Manager immer eine Puderdose bei sich haben

Die Eitelkeit ist eine der Haupt-Antriebsfedern vieler Führungskräfte – aber keiner gibt es zu. Zu den bekannten Ausnahmen gehört Hellmuth Karasek - eine ehrliche Haut.

In einem Interview erklärte Karasek, warum er sich so gerne in TV-Talkshows einladen lasse: „Aus Eitelkeit, aus falsch verstandener Eitelkeit vielleicht. Doch es dauert einfach zu lange, bis man mit der Kritik der reinen Vernunft heute populär wird.“

Diese Offenheit ehrt den Mann. Denn wer gibt schon unumwunden zu, dass er eitel ist? Eitelkeit gilt als kleinlicher Defekt, den man nur bei Anderen entdeckt. Zum Beispiel bei Florian Gerster, dem Ex-Chef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit. Abgesehen von seinem Drang nach exponierter Dauerpräsenz in den Medien hatte der schneidige Behördenleiter einen Drang nach exponierter Dauerpräsenz in den Nasen seiner näheren Umgebung. Offenbar verströmte er eine derart intensive Rasierwasser-Duftnote, dass die Mitarbeiter spotteten: „Der brauchte eigentlich gar kein Türschild. Da hätte der Pförtner einfach sagen müssen: „Immer nur der Nase nach.“ Vielleicht hätte Gerster einfach die Marke wechseln sollen. Denn ausgerechnet die wichtigste Frau in dem riesigen Verwaltungsmoloch betörte der Behördenleiter ganz und gar nicht. Ursula Engelen-Kefer sorgte am Ende mit einer professionell gesponnenen Intrige für Gersters Abgang.

Persönliche Geltungssucht kann aber auch ganz andere Dimensionen annehmen. Dann nämlich, wenn das Prestigestreben der Alphatiere die Unternehmen richtig Geld kostet. Geld, das den Führungskräften in den allermeisten Fällen nicht mal gehört, sondern den Anteilseignern. So gebietet heute beinahe jeder Vorstandsvorsitzende über seinen Haus- und Hofmaler, -fotografen, -skulpturisten oder -dichter. Das hat den Vorteil, dass der fördernde Kunstfreund prachtvolle Vernissagen medienwirksam mit einer intellektuell inspirierten Ansprache eröffnen darf. Keine Frage, dass das Unternehmen die kühnsten Werke natürlich gleich für die anspruchsvolle Dekoration des Headquarters kauft.

Handfestere Manager-Charaktere vom Schlage eines Ulrich Schumacher, dem Ex-Infineon-Boss, investieren weniger ins Feinsinnige als vielmehr ins Grobmotorige. Uli Schumacher ist passionierter Porschefahrer und Motorsportfan. Die Infineon-Aktionäre finanzierten lange Zeit dessen PS-Leidenschaft, denn der Münchner Chip-Hersteller sponserte einen kompletten Motorsport-Rennstall, das Porsche-Supercup-Team.

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