Der Amerikaner Brady Dougan führt die Credit Suisse First Boston
Nur der zweite Mann

Der Boss aus New York ist in Zürich bloß Zuschauer: Brady Dougan, seit dem 13. Juli an der Spitze der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB), überließ die Show am Mittwoch seinem Chef Oswald Grübel.

ZÜRICH. Dieser kommentierte in bewährt schnoddriger Art die durchwachsenen Halbjahreszahlen der Schweizer Großbank.

Bislang hatte Grübel bei solchen Auftritten stets Co-Chef John Mack an seiner Seite. Doch „Mack the knife“, dessen scharfer Sparkurs die Investmentbank immerhin auf Kurs gebracht hat, ist seit einem knappen Monat nicht mehr dabei. Dougan, wie Mack CSFB-Chef, wird ihn als Co-Chef nicht ersetzen.

Der 45-jährige Dougan hat eine klare Aufgabe. Der Amerikaner soll eine Strategie entwickeln, um die Investmentbank enger mit dem Zürcher Mutterkonzern zu verknüpfen. „Eine Gruppe“, lautet das Ziel, das Grübel formuliert. Dass er dabei „für die nächsten Jahre“ der alleinige Herrscher sein wird – daran lässt Grübel im Gespräch keinen Zweifel. Dougan, ein eingefleischter CSFB-Mann, der unter Mack auf einem Abstellgleis gelandet war, kann seine Hoffnungen auf einen Stuhl neben Grübel damit tiefer hängen. Er hat aber alle Hände voll zu tun, um seine 18 000 CSFB-Mitarbeiter bei der Stange zu halten.

Bei einigen ist ihm dies nicht gelungen. Vielleicht fehlte es ihm an der notwendigen Ernsthaftigkeit in der Überredungskunst: Stephen Volk, Harvard-Jurist und einer der wichtigsten „Deal-Maker“ bei CSFB ging letzte Woche, sein Name stand schon nicht mehr auf der Liste mit Führungsleuten, die Dougan im Juli präsentiert hatte. Vorher hatten mit Macks zweitem Mann, Thomas Nides, der im China-Geschäft engagierten Managerin Wei Christianson und der CSFB-Finanzchefin Barbara Yastine drei andere Top-Leute die Bank verlassen.

Diesen Trend muss Dougan stoppen, bevor sich Wettbewerber die Hände reiben. Schon jetzt macht bei der Konkurrenz in New York ein Spruch die Runde: CSFB ist die Bank, bei der man morgen nicht weiß, mit wem man es zu tun hat.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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