Der Ballonfahrer Bertrand Piccard wirbt bei Managern für sein neuestes Projekt
Philosoph der Lüfte und des Lebens

Der Vater, er tauchte in Tiefen, die noch niemand vor ihm erreicht hatte: 11 000 Meter nach unten im Marianengraben. Den Großvater, den zog es in die Höhe. Als erster Mensch stieß er 1931 in die Stratosphäre vor. Und Bertrand Piccard? „Ich musste die Horizontale wählen“, sagt der Franzose mit den abenteuerlustigen Familienmitgliedern.

SCHINDELLEGI. Vor sechs Jahren gelang ihm und seinem Begleiter Brian Jones die Sensation: Nach 45 755 Kilometern landeten sie in der ägyptischen Wüste, hatten die Erde umrundet. Die Kapsel mit dem Namen des geduldigen Sponsors, der Breitling-Orbiter III, steht seither im Washingtoner Space Museum gleich um die Ecke vom Lindbergh-Flugzeug. Und Piccard nährt seinen Ruhm, indem er aus der Kunst des Ballonfahrens eine Moral für Manager ableitet.

Drahtig steht er da vor der Führungsriege des Schweizer Logistikers Kühne & Nagel, die ihn eingeladen hat. Klein, die Haare kurz, hohe Stirn, der Blick stechend, aber nicht unfreundlich. Keine Spur von Abenteurer-Outfit. Der dunkle Anzug ist penibel gebügelt. Es gehe ihm nicht darum, Rekorde zu brechen, sondern Horizonte zu eröffnen, sagt Piccard, der Pionier.

Und dann kommt seine Deutung der Ballonfahrt: mit dem Wind treiben und trotzdem ans Ziel kommen. Das ist das Einzigartige. „Wenn die Winde des Lebens in die falsche Richtung wehen, müssen wir eine andere geistige Flughöhe finden“, sagt Piccard, der Psychiater.

Er ist nicht Physiker oder Ingenieur geworden. Er wollte nicht einfach so auf den Spuren der Väter wandeln, wenn es auch nahe lag. Die Nacht vor dem Start der Mondkapsel Apollo Elf verbrachte er im Hotelzimmer von Wernher von Braun, dem Genie ohne Grenzen, der auch die Rakete konstruiert hatte, die die Männer zum Mond schleuderte.

Zurück in der Heimatstadt Lausanne am Genfer See wälzte der Junge Fragen. Wozu lebt man? Wo liegt der Sinn der Rekorde? Piccard studierte das Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele. Piccard flog Drachen, sprang Fallschirm, tanzte am Himmel. Piccard, der Geschäftsmann, gründete eine Flugschule auf den Kanarischen Inseln und ging nach drei Jahren Pleite.

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