Der Bohrmaschinenhersteller Hilti hält sich stoisch an die eigenen Regeln: Der neue Chef kommt von innen
Bohrer und Gebote

Sie sind legendär, die „Gipfeltreffen“ am Hilti-Firmensitz im heimeligen Schaan. Zufällig ausgewählte Mitarbeiter essen mit dem Chef Hörnchen oder „Gipfeli“, wie sie in Liechtenstein heißen.

HB ZÜRICH.Künftig werden die Monteure beim Gipfeli-Knuspern ein weiteres Gesicht aus der Nähe studieren können: Bo Risberg. Der Schwede mit dem kurzen eisgrauen Haar löst im kommenden Jahr den amtierenden Chef Pius Baschera ab. Weil der liechtensteinische Bohrmaschinenhersteller seine ganz eigene Unternehmenskultur so pflegt wie andere die zehn Gebote, wurde Risberg bereits gestern inthronisiert.

„In die Konzernleitung rückt nur auf, wer über längere Zeit erfolgreich die Hilti-Kultur vorgelebt hat“, heißt eines dieser Gebote. Und das Wort „inthronisiert“ möchte Michael Hilti, Sohn des Firmengründers und bislang Verwaltungsratspräsident des Familienunternehmens, bitte schön überhört haben.

Bei den Hiltis spricht selbstverständlich niemand von Thronfolge. „Wir sind ein Team“ lautet einer der Leitsätze, die nicht nur im Geschäftsbericht, sondern praktischerweise auch auf den unübersehbaren Tafeln im Liechtensteiner Hilti-Werk Nummer drei, dort wo die Bohrmaschinen montiert werden, aufgehängt sind. Leitsätze wie „Ziel: Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit“ stehen da. Darunter: „Einzelne Schritte: spontane Würdigung (Loben)“ und „Dauer: laufend“. Darüber ließe sich hinweggucken, wenn bei Hilti nicht so verdammt viel von diesen Geboten abhinge. Das Jahresgehalt zum Beispiel. Oder wie im Fall von Risberg: die Karriere.

Der 49-jährige Familienvater, dessen schmale Lippen sich angesichts der öffentlichen Bekanntgabe seines geglückten Aufstiegs gestern zu einem freundlichen und dauerhaften Lächeln verzogen, hat schon mehr gesehen als Hilti. Bevor der Mann, der mit dem grauen Anzug und seiner silbernen Brille auch als Diplomat durchgehen könnte, in Liechtenstein landete, war er im Auftrag des Schweizer Industriekonzerns ABB in Kanada und Schweden unterwegs, in Stockholm auch für die Unternehmensberater von AT Kearney.

1999 wechselt er zu den Rote-Koffer-Trägern aus Liechtenstein. Was Hilti auszeichnet? Risberg spricht mit leiser Stimme von Integrität, Mut zur Veränderung und Teamgeist und landet damit letztlich wieder bei jenen Geboten, die auch der 16 000 Mitglieder zählenden Hilti– Mitarbeitergemeinde bestens bekannt sind.

Die Gebote der Hiltis stammen vor allem von Michael Hilti, einem Mann mit gestutztem Schnurrbart, festem Blick und klarer Sprache, der als klassischer Patriarch durchgehen würde. Doch weit gefehlt: Als sein Vater 1972 einen schweren Herzinfarkt erlitt, hatte Sohn Michael gerade sein Studium beendet. Der Papa bildete einen Vorstand aus zwei internen und einem neuen Manager und holte den Sohn als Assistenten ins Unternehmen. „Da habe ich gelernt, wie man es nicht macht“, erinnert sich Michael Hilti. Der Streit um die Nachfolge seines Vaters führte zu jahrelangen Grabenkämpfen im Management.

Seite 1:

Bohrer und Gebote

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%