Der Chef der Royal Bank of Scotland wird „Europäischer Banker des Jahres“
Auszeichnung für den „Reißwolf“

Es gibt wohl nur einen, der die Auszeichnung von Fred Goodwin zum „European Banker of the Year“ für übertrieben hält: Fred Goodwin selbst.

LONDON. Dem 45-jährigen Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) ist jeglicher Starkult ebenso zuwider wie sein Spitzname „Fred the Shred“ (Fred, der Reißwolf), den er wegen seines radikalen Kostenmanagements erhielt. Und am liebsten würde der jungenhaft wirkende Blondschopf weiter so unscheinbar bleiben, wie er aussieht.

Doch damit ist es nun vorbei. Der Mann, der aus einem beschaulichen Institut im Norden des Königreichs die nach Marktwert fünftgrößte Bank der Welt formte, ist „Europäischer Banker des Jahres 2003“. Mit diesem international anerkannten Preis der „Group of 20+1“, dem auch führende Finanzjournalisten aus Frankfurt angehören, steht Goodwin in einer Reihe mit Unicredito-Chef Alessandro Profumo (2002) und dem Direktorium der Europäischen Zentralbank (2001), dessen Präsident damals Wim Duisenberg war.

Goodwin bekommt den Preis in einigen Wochen im Frankfurter Römer überreicht. In der Begründung heißt es, der Banker führe „mit der RBS eine Großbank mit starker Verankerung auf dem britischen Heimatmarkt und einem zugleich ausgeprägten europäischen Profil, die sich dank einer überzeugenden Strategie im harten Wettbewerbsumfeld glänzend behauptet“.

Man hätte auch sagen können: Goodwin hat seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren Meilensteine gesetzt. Die feindliche Übernahme der größeren National Westminster Bank und deren glänzende Integration gehört dazu. Genau wie der Einstieg in Amerika, wo derzeit ein Viertel des Gewinns herkommt. Insgesamt erzielte die Bank zuletzt einen Rekordgewinn von 6,2 Milliarden Pfund vor Steuern.

Auch wenn Goodwin kaum leutselig oder gar herzlich wirkt: Mit dieser Auszeichnung gibt es auch in Europa niemanden mehr, der ihn unterschätzt. Ob ihn das wirklich freut, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

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