Der Converium-Chef
Dirk Lohmann: Überleben eines Handlungsreisenden

Dirk Lohmann fällt es schwer, bei der Rettung des Schweizer Rückversicherers Converium den Humor nicht zu verlieren.

HB ZÜRICH. Sieht er wirklich müde aus, oder gibt es die Ringe unter seinen Augen bloß in der Einbildung seiner Zuschauer, die seine Geschichte kennen? Dirk Lohmann eilt ans Rednerpult im voll besetzten Zürcher Kongresshaus. Der gedrungene Körper gleicht dem eines Heldentenors. Die Augen sind schmal hinter der eckigen Brille, die Mundwinkel hinter dem Vollbart nach unten gezogen. Drüber thront der kahle Kopf inmitten des schmalen Haarkranzes. „Tach“, sagt Lohmann. Das ist nicht wirklich die angemessene Begrüßungsformel für die 500 Schweizer Investoren in feinem Tuch, die wissen wollen, ob Lohmanns Arbeitgeber Converium ihr Geld noch wert ist.

Wenn die Gäste dem glauben, was über Converium zu hören ist, sollten sie ihr Geld in andere Unternehmen stecken. Im Juni stellte der Rückversicherer fest, dass er nicht genügend Reserven für mögliche Schäden in den USA hat. Der Aktienkurs brach ein. Börsenkapital von mehr als einer Milliarde Franken (657 Millionen Euro) war futsch. Damit das Unternehmen flüssig blieb, war eine hastige Kapitalerhöhung nötig. Und um zu verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht, beschloss Converium, sich aus dem US-Geschäft zurückzuziehen.

Der entsetzte Verwaltungsrat entsandte eines seiner Mitglieder in den Vorstand, der seitdem alle Entscheidungen Lohmanns überwacht. „Unter diesen Umständen bleibt niemand gerne lange CEO“, sagt ein Vorstandsmitglied von der Konkurrenz. Lohmanns Finanzchef hat bereits seinen Hut genommen. „Aus persönlichen Gründen“, heißt es. Lohmann ist noch da. Andere sollen mit hohen Prämien zum Bleiben bewegt werden. Die Stimmung in der Teppichetage des Rückversicherers ist alles andere als euphorisch. Alle hoffen auf die Zeit nach dem Ende der Hiobsbotschaften. Aber keiner weiß, wann sie beginnt.

„Wir werden brauchen, bis wir das Vertrauen zurückgewonnen haben“, räumt Lohmann ein. Trost zu verteilen – dafür ist er nicht der Typ. Seine Mitarbeiter müssen sich selber Mut machen. Dabei hilft, dass es der Rückversicherer noch nie leicht hatte: Der Börsengang fand drei Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001 statt. Kein schönes Umfeld. Der Aufschwung währte nur kurz.

Der Converium-Chef jedoch bewies Nehmerqualitäten. Es stimmt schon: Sein helles, plötzliches, lautes Lachen ist seltener geworden. Aber es sieht so aus, als hätte der 46-jährige Lohmann in seinen 24 Berufsjahren die Zähigkeit in sich hineingepumpt, die er nun braucht, um das leckgeschlagene Unternehmen über Wasser zu halten.

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