„Der Daniel Düsentrieb des Marketings“,
Motorradstiefel und Flip-Flops

Diegos Della Valles Sohn Emanuele gibt als Tod’s-Vorstandsmitglied Gas für die Marke Hogan.

Der mittägliche Stromausfall im brütend-heißen Mailand lässt ihn kalt. Im Wintergarten der eleganten Tod's-Firmenzentrale auf dem Corso Venezia sitzt entspannt in Kaki-Jeans, weinrotem Baumwollhemd und blauen Sneakers der brünett gelockte Emanuele Della Valle. Das jüngste Vorstandsmitglied des italienischen Lifestyle-Hauses mit den Marken Tod's, Hogan und Fay kostet feine Törtchen, raucht eine Zigarette nach der anderen und erzählt von seinen „Geistesblitzen“.

„Lightbulb“ hat der 29-Jährige nicht nur seine neue Marketingfirma getauft, sondern dank der Idee und der Unterstützung seiner in aller Welt verstreuten Freunde ist ihm eine Ausstellung gelungen, auf die so manches Museum neidisch wäre. Selbst abgebrühte Motorradfreaks wie Dennis Hopper aus dem legendären „Easy Rider“-Film hat der Anblick der „Hogan Riders“ schier zu Freudentränen gerührt.

„Der Daniel Düsentrieb des Marketings“, wie Emanuele Della Valle genannt wird, weiß eben, wie man die feinen Leder-Accessoires mit dem geflügelten H-Logo so zur Schau stellt, dass Männer hingucken und solchen „alltäglichen Luxus“ begehren. In der ehemaligen Druckerhalle des „Corriere della Sera“ inszenierte er ein großes Spielzimmer für das Kind im Manne: Bücher und Fernseher in großen Regalen, dazu 50 chromblitzende Motorräder, auf die die Geschichte in den vergangenen 100 Jahren abgefahren ist.

Die rote Lambretta-Zweisitzer aus den 50er-Jahren, das Opel-Modell mit geflochtenem Beiwagen von 1920, die Vespa aus „La Dolce Vita“, Originalmaschinen aus „Matrix Reloaded“ und natürlich „Easy Rider“ – das ist die perfekte Kulisse für die neueste Hogan-Linie: Motorrad inspirierte Knöchel-Boots, Stiefel und Reisetaschen, die in diesen Tagen weltweit in die Läden kommen. Alles exklusiv und teuer, schließlich – so der Junior – laute die Marketingstrategie Qualität plus 25 Prozent Träume.

Längst hat sich Hogan von der Kult-Schwester Tod’s abgenabelt, sich von seinem ersten, einem Kricket-Schuh nachempfundenen Sneaker-Modell zu einer eigenständigen Kollektion entwickelt: Flip- Flops und Stiefeletten, Reise-Gepäck und Lederetuis für den „Urban Traveller“, der gern am Wochenende aufs Land ausschwärmt oder zum Shoppen nach London und Madrid.

Mit der einmaligen Licht-Ton- Gefühls-Reise durch Motorradkunst und Zeitgeist hat Emanuele einerseits das Marken-Image der 1986 geborenen Casual-Linie Hogan aufpoliert. Andererseits ist der Sohn endgültig aus dem Schatten seines Vaters Diego getreten, dem Erfinder von Tod’s, jenen Schuhen mit dem Markenzeichen Noppensohle, ohne die man gar nicht erst nach Sardinien, Sylt oder Long Island reisen mag.

„Es ist nicht einfach, sich zu behaupten“, schmunzelt der Junior, „aber wenn ich es recht bedenke, ist es auf jeden Fall besser, der Sohn von Diego zu sein, als es nicht zu sein“.

Weltgewandt, witzig und charmant hat der Italiener gelernt, ohne und mit der Familie zu leben. Weil sein Vater einen Juristen aus ihm machen wollte, hat er sich brav an der Uni eingeschrieben, wenig später jedoch das Studium geschmissen. Stattdessen hat er das Leben gelebt, das er sich von seinen Kunden wünscht: immer auf Reisen, heute Hongkong, morgen New York, zum Urlaub auf die Lieblingsinsel Jamaika, mit Freunden segeln oder Fußball spielen, Musik machen und Filme drehen. Ein bisschen Playboy, ein bisschen Geschäftsmann, am liebsten beides zugleich, Hauptsache verrückt-kreativ.

Und wie traditionsreiche, italienische Erfolgsfamilien nun einmal funktionieren, stand auch für Emanuele immer fest, dass er ins Unternehmen einsteigt, das auf Urgroßvater und Schumacher Filippino zurückgeht. Stolz ist er, dass die Hogan-Geschäfte der allgemeinen Krise zum Trotz hervorragend laufen (mehr als elf Prozent Umsatzplus im vergangenen Jahr). 2001, als der Junior seinen Job antrat, gab es zwei eigene Shops, heute sind es 26 weltweit – von Düsseldorf und Miami bis Tokio und Hongkong.

Beflügelt vom Erfolg, besinnt sich Emanuele Della Valle auf seine mediterranen Wurzeln. Oft besucht er seine Großmutter auf dem Land, statt in New York lebt er wieder in Mailand. Auf seiner Terrasse parkt als Kunst-Kult-Objekt seine erste, zitronengelbe Vespa, und wie aus heiterem Himmel schlägt dort oft auch ein neuer Geistesblitz ein.

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