Der deutschen Wirtschaft geht es gut
Schlechte Zeiten für Insolvenzverwalter

Geht es der deutschen Wirtschaft gut, wird es für die Insolvenzverwalter eng: Sinkt die Zahl der Unternehmenspleiten, gehen auch die Einnahmen zurück. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor einigen Jahren hat zudem den Wettbewerb deutlich verschärft. Jetzt steht die Branche am Rande einer Krise.

DÜSSELDORF. Die Branche versucht mit allen Mitteln, den endgültigen Ausbruch der Krise noch zu verhindern. In den vergangenen Jahren trafen gleich mehrere negative Nachrichten sie. Bereits vor rund drei Jahren hat das Bundesverfassungsgericht die zuvor an zahlreichen Gerichten geführten sogenannten "geschlossenen Listen" einkassiert und damit zusätzlichen Anbietern den Weg in den Markt geöffnet. Zudem sinkt schon seit Jahren im Rahmen des wirtschaftlichen Aufschwungs die Zahl der Unternehmenspleiten. "Insgesamt gilt es daher, einen kleineren Markt unter einer wachsenden Zahl an Mitbewerbern aufzuteilen", sagt Siegfried Beck, Insolvenzverwalter aus Bayern und Bundesvorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID).

Die tatsächliche Tragweite dieser Entwicklung zeigt sich erst in den Details. So belegen beispielsweise Daten des Statistischen Bundesamts, dass allein im vergangenen Jahr mit 30 357 Anträgen die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erneut um über 17 Prozent gesunken ist. Noch zwischen 2000 und 2004 nahm die Zahl kontinuierlich zu.

Anders sieht das Bild zwar bei den privaten Insolvenzen aus. Mit 92 310 Anträgen wuchs die Zahl in diesem Bereich um 34 Prozent. Das Problem: An den Verfahren verdient die Branche nichts. "Teilweise müssen die Insolvenzverwalter sogar für das Gericht eine gewisse Anzahl an Privatinsolvenzen übernehmen, um auch bei den interessanten Fällen aus der Wirtschaft zum Zuge zu kommen", sagt Beck.

Und auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zeigt inzwischen Wirkung. Immerhin können sich seit dem Ende der "geschlossenen Listen" immer mehr Anbieter beim Gericht als potenzielle Insolvenzverwalter eintragen lassen. Sogar bei einigen kleineren Gerichten stehen mitunter bereits über 100 Verwalter zur Auswahl. "Nicht nur neue Anbieter dienen sich bei den Gerichten an, auch die angestammten Unternehmen versuchen, ihr Geschäft auf weitere Orte auszudehnen", sagt Sebastian Laboga, Rechtsanwalt und Berliner Partner bei der auf Insolvenz- und Sanierungsrecht spezialisierten Kanzlei Kübler.

Und genau diese Mischung aus steigendem Wettbewerbsdruck und sinkenden Aufträgen stellt die Verwalter vor enorme Herausforderungen. "Die gesamte Branche verändert sich", sagt Laboga. Dies drücke auch auf die Stimmung.

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