Der Doyen der Managementlehre macht einer Kanzlerin Merkel wenig Hoffnung
Maliks Modell

Was einem wie ihm zu Frau Merkel einfällt? Fredmund Malik spricht gern, viel und schnell. Seine Gedanken schießen ihm dabei so überfallartig durch den Kopf, dass er sich beim eigenen Reden Notizen macht, um nicht etwas zu vergessen, was er unbedingt noch anfügen muss.

ST. GALLEN. Aber bei der Frage nach Frau Merkel stockt sein Redefluss. Der smarte Professor, der in der Wirtschaftskaderschmiede St. Gallen die Lehre vom richtigen Management verbreitet, will nicht von seiner eigenen Formulierungskunst überwältigt werden. Er will nichts sagen, was sich nicht für die gedruckte Form eignet. Darum lässt er sich zweimal bitten: „Wie beurteilen Sie die Chancen von Angela Merkel als Kanzlerin?“

„Die neue deutsche Bundeskanzlerin“, sagt Malik, setzt die Brille ab, um die Bedeutung der eigenen Worte noch zu unterstreichen, „hat drei Probleme: Sie muss ein Land führen, das weitsichtige Entscheidungen nötig hat. Sie muss ein Kabinett führen, das nicht ihr eigenes ist. Und sie muss in Wahrheit auch drei Parteien führen, von denen sich zwei nicht von ihr führen lassen wollen.“ Merkel steht also vor einer komplexen Managementaufgabe – und ist damit ein Fall ganz nach Maliks Geschmack.

Mit 24 Jahren – „Ich war spätpubertierend“, sagt Malik – beginnt der Mann, der bis dahin Gitarre gespielt und den Vertrieb einer Heizungsfirma organisiert hat, sich seinem Lebensthema zu nähern. Er studiert, promoviert, und habilitiert sich zu dem Doyen der Managementlehre. 1984 wendet er seine Theorie in der Praxis an: Er übernimmt das Management Zentrum St. Gallen und wandelt es von einer Stiftung in eine Aktiengesellschaft.

Am Türschild steht jetzt statt der beiden Wörter „Management Zentrum“ der eindeutigere Titel „Malik Management Zentrum“, was darauf schließen lässt, dass sich das Selbstbewusstsein des Professors zu einem Markenbewusstsein gesteigert hat. Er ist Verwaltungsratspräsident des 170 Mitarbeiter starken Unternehmens, das einen Umsatz von umgerechnet gut 33 Millionen Euro erzielt. Er sei ein „echter Star“, sagt ein Schweizer TV-Moderator, der sich bewusst ist, dass sein Land nach Emil und Roger Federer nicht allzu viele Starnamen im Angebot hat. Auf der Buchmesse wird der Professor den ersten Band seines neuesten Werkes präsentieren: „Management – das A und O des Handwerks“, heißt es und soll die Branche wachrütteln.

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