Der erfahrene TV-Mann Michael Grade wird Chairman des britischen Senders
BBC erhält Kreativ-Spritze

Die BBC hat einen neuen Chairman: Verwaltungsratsvorsitzender des britischen Medienkonzerns wird der ehemalige Chef des TV-Senders Channel Four, Michael Grade.

LONDON. Der 61-Jährige tritt die Nachfolge von Gavyn Davis an, der wegen der harten Kritik an dem Sender in der Kelly-Affäre gemeinsam mit Generaldirektor Greg Dyke zurückgetreten war. Grade gilt als risikofreudiger, kreativer und kommerziell ausgerichteter Medienmann, der schon mit mancher Programmentscheidung für Schlagzeilen gesorgt hat. Kritiker haben ihn darum während seiner acht Jahre bei Channel Four „Pornografen“ getauft. Befürworter loben ihn dagegen als kreativen und mutigen Programm-Macher.

Vor allem aber gilt er als charismatische Führungsperson. Grade sei der „richtige Mann zur richtigen Zeit“, so Kulturministerin Tessa Jowell in London. Der Manager, der gerne mit breiten roten Hosenträgern und Zigarre auftritt, stammt aus einer alten Showdynastie. Seine Medienkarriere begann er 1960 als Journalist beim „Daily Mirror“, wo er Sportkolumnist wurde. Nach dem Tod seines Vaters 1964 wechselte Grade als Theateragent in den Familienbetrieb. 1973 ging er zum TV-Programm London Weekend Television. Zehn Jahre später folgte BBC One, wo er das wichtige Politmagazin „Panorama“ beliebt machte. 1988 wurde Grade Chef des Senders Channel Four, den er auf den Erfolgsweg brachte.

Ab 1997 war Grade für zwei Jahre Chef von First Leisure, einem Betreiber von Fitness-Studios und Pubs. Danach leitete er die Pinewood and Shepperton Studios, Produzent von James-Bond- und Harry-Potter-Filmen. Er ist zudem Chairman der nationalen Lotteriegesellschaft.

Der mit 81 320 Pfund, etwa 120 000 Euro, dotierte BBC-Posten gilt als politischer Schleudersitz. Grade gehört aber keiner Partei an, seine Berufung wurde von den konservativen Tories bereits begrüßt. Seine erste Aufgabe wird es sein, den Posten des Generaldirektors zu besetzen. Seit dem Rücktritt von Greg Dyke führt Mark Byford das BBC-Tagesgeschäft. Er ist ein Kandidat für den Job. Aber in den vergangenen Wochen war er oft als zu lasch kritisiert worden.

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