Der Ex-Infineon-Chef steht noch immer in Diensten des Chipkonzerns
Schumacher und die Millionen

Der Ex-Infineon-Chef steht noch immer in Diensten des Chipkonzerns, der Arbeitsvertrag ist noch immer nicht gelöst.

MÜNCHEN. Ein wenig Wehmut hat Ulrich Schumacher schon befallen, als er gestern in München seinen ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Sturz als Infineon-Chef absolvierte. Im großen Saal im Haus der bayerischen Wirtschaft hatte der 46-Jährige früher immer seine Jahresberichte präsentiert. Gestern sprach er hier auf einem Private-Equity-Forum zum Thema „Alte Welt – Neue Welt: Wo Investieren?“

Lange hatte man nichts von ihm gesehen. Bei Infineon hat seit Anfang September sein Nachfolger Wolfgang Ziebart das Sagen. Aber Schumacher steht noch immer auf der Gehaltsliste des Chipkonzerns. Sein Vertrag sei nach wie vor nicht gelöst, sagte Schumacher gestern dem Handelsblatt. Erst zwei Mal hätten sich seine Anwälte mit denen von Infineon getroffen. Eine Entscheidung habe es nicht gegeben.

Ende März hat Schumacher nach einer Intrige seiner Vorstandskollegen seinen Chefposten geräumt. Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley, der den Vorstandsvorsitz kommissarisch übernahm, hatte den Rheinländer gedrängt, den Vorstandsvorsitz niederzulegen. Die Auflösungsmodalitäten sollten schnell geklärt werden. Doch auch sechs Monate nach seinem Abgang bezieht Schumacher noch immer sein Gehalt. Erst Anfang 2003 hatte Schumacher vom Aufsichtsrat unter Leitung Kleys einen neuen Fünfjahresvertrag erhalten. Er sieht ein Fixgehalt von 600 000 Euro und hohe Bonuszahlungen vor. Offen ist, wie dieser Vertrag nun ausgezahlt werden soll. Es gehe aber in keinem Fall – wie spekuliert – um zweistellige Millionen-Beträge, betonte Schumacher gestern. Bei Infineon heißt es, dass Nachfolger Ziebart an einer schnellen Lösung interessiert sei.

Dass die Sache nicht erledigt ist, schmerzt wohl auch Schumacher. Denn offenbar liegen ihm neue Angebote vor. Der promovierte Elektrotechniker liebäugelt etwa mit der Private-Equity-Branche oder mit einem Job im Ausland. Denn viel Gutes hatte Schumacher für den Standort Deutschland gestern nicht übrig. Wenn man unbedingt „aus romantischen Gründen“ mit seinem Unternehmen in Europa bleiben wolle, käme nur Portugal oder Osteuropa in Frage. Auch Israel und China seien attraktiv. Doch mit Blick auf die von ihm angezettelte Standortdebatte bei Infineon sagt er: „Es ist nicht opportun, darüber zu reden. Sie sehen, was dabei passiert.“

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