Der Fall Qimonda
Konkurs auf deutsch

Es hat weder Mitarbeiter noch Aktionäre überrascht, als der Münchener Chiphersteller Qimonda Ende Januar auf dem Münchener Amtsgericht den Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgegeben hat. Wie ein Insolvenzverfahren in Deutschland abläuft, zeigt das Beispiel der glücklosen Tochter des Halbleiterkonzerns Infineon.

MÜNCHEN. Hohe Verluste und ein Mehrheitseigentümer, der selbst angeschlagen ist: Qimonda, Hersteller sogenannter Dram-Speicherchips, der etwa 12 000 Mitarbeiter beschäftigte, konnte seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Was passiert, wenn ein Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmeldet?

Der erste Schritt: Der zuständige Amtsrichter wählt einen Juristen als vorläufigen Insolvenzverwalter aus. Im Fall von Qimonda ist dies Michael Jaffé. Es ist kein Zufall, dass der Münchener Anwalt zum Zuge kam. Jaffé betreibt eine große Kanzlei und verfügt über die nötigen Ressourcen, um ein weltweit tätiges Unternehmen wie Qimonda zu betreuen. Mit dem Medienkonzern Kirch hat der Manager bereits vor einigen Jahren bewiesen, dass er die Insolvenz eines weit verzweigten Konglomerats bewältigen kann. Generell liegt es jedoch ganz im Ermessen des zuständigen Richters, wen er als Insolvenzverwalter auswählt. Die Vergabe wird oft als intransparent kritisiert.

Welche Rolle spielt der Insolvenzverwalter?

Er ist die zentrale Figur in jedem Insolvenzverfahren. Ob Qimonda überlebt oder aufgelöst wird, hängt an ihm. "Wir sind nicht nur Weltmeister im Sanieren", sagt selbstkritisch Siegfried Beck, Vorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter Deutschlands. Im Klartext: Wohl und Wehe einer Firma hängen vom Können des Insolvenzverwalters ab.

Welche Möglichkeiten hat der Insolvenzverwalter?

Im Fall von Qimonda ist Rechtsanwalt Jaffé derzeit dabei, Investoren zu suchen. Bis Ende März braucht er ernsthafte Interessenten, sonst muss der Jurist die Firma abwickeln. Der Grund für die Eile: In der Insolvenz zahlt der Staat die Löhne - aber nur für drei Monate. Aus eigenen Mitteln kann Qimonda seine Beschäftigten nicht bezahlen. Findet Jaffé in den nächsten Wochen keinen Käufer, dann wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

Wie lange dauert das Insolvenzverfahren?

Normalerweise ziehen sich die Verfahren über Jahre hin, bis endgültig abgerechnet wird. Das wird auch bei Qimonda so sein, sollte sich kein Investor finden. Oft gibt es Rechtsstreitigkeiten, die sich hinziehen. Zum Teil muss der Insolvenzverwalter aber auch warten, bis Garantieleistungen des Unternehmens auslaufen. Im Fall Kirch verwertet Rechtsanwalt Jaffé noch immer die Filmrechte des untergegangenen Konzerns und verdient damit Geld für die Gläubiger. Diese erhalten oft im Verlauf des Verfahrens schon Abschlagszahlungen.

Inwiefern hilft die Insolvenz Qimonda?

Der Insolvenzverwalter kann Einschnitte viel einfacher durchsetzen als das Management in normalen Zeiten. Gleich nach dem Insolvenzantrag hat Jaffé ein Werk in Amerika dichtgemacht und die Produktion am wichtigen Standort Dresden drastisch heruntergefahren. Er hat bereits angekündigt, dass es selbst dann zu weiteren Kürzungen kommt, falls sich ein Investor findet.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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