Der Familienunternehmer Jürgen Thumann soll neuer Präsident des Industrieverbands werden
Ein Kutscher für den BDI

Reitern ist sein Name ein Begriff, Unternehmern eher nicht. Das dürfte sich bald ändern, denn Jürgen Thumann, 62, Chef eines Familienunternehmens aus Düsseldorf, soll im November neuer Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) werden. Der amtierende Präsident Michael Rogowski hat damit für eine große Überraschung gesorgt, sowohl der Form als auch dem Inhalt nach.

DÜSSELDORF. Denn dass es Thumann sein soll, ließ Rogowski gestern in Form einer schlichten Pressemitteilung verlautbaren. Er selbst und auch der Hauptgeschäftsführer des BDI, Ludolf von Wartenberg, waren danach nicht mehr zu erreichen. Auch deshalb schossen die Spekulationen ins Kraut.

Thumann ist zwar relativ unbekannt, in Industriekreisen aber alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Denn der stets sehr korrekt gekleidete, schlanke Unternehmer ist seit langem auch als Verbandsfunktionär aktiv, er ist Vizepräsident des BDI, Präsident des Wirtschaftsverbandes Stahl- und Metallverarbeitung (WSM). Vor allem aber ist er seit Mai 2001 Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des Dachverbands der 7 100 Reit- und Fahrvereine mit insgesamt 740 000 Mitgliedern.

Dass er sich damals auch in dieses Amt wählen ließ, hatte zwei Gründe: Zum einen ist Thumann leidenschaftlicher Reiter und Fahrer und Besitzer eines Vierspänners, mit dem er es bis zum dritten Platz bei einer Deutschen Meisterschaft gebracht hat. Zum anderen sorgte Thumann vor seiner Wahl dafür, dass die Satzung geändert und ein hauptberuflicher Vorstand für den Sportverband berufen wurde. „Unter der alten Satzung hätte ich das nicht gemacht, dafür hätte ich gar keine Zeit gehabt“, gab Thumann damals zu Protokoll.

Nun hat sich der Unternehmer von Michael Rogowski breitschlagen lassen, dass Spitzenamt des BDI zu übernehmen, wohl wissend, dass damit eine ganz neue, andere Aufgabe auf ihn zukommt: Schließlich ist der BDI-Präsident einer der wichtigsten Kommunikatoren der deutschen Wirtschaft, ein Posten von nationaler Bedeutung. Gerade die große Rede aber hat Thumann bisher gescheut, selbst als WSM-Präsident ließ er oft genug andere für sich sprechen. „Thumann ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt“, sagt ein langjähriger Weggefährte über den designierten BDI-Präsidenten. Thumann sei ein ruhiger Typ und nicht so eckig und temperamentvoll wie Maschinenbaupräsident Diether Klingelnberg. Die fehlende Erfahrung mit den Medien könnte Thumanns Start im neuen Amt erschweren, meint ein anderer.

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