Der JP-Morgan-Chef setzt auf Größe
Der Resteverwerter

Jamie Dimon kauft in der Kreditkrise kräftig ein. Der jüngste Coup: Für 1,9 Milliarden Dollar übernimmt der JP-Morgan-Chef die angeschlagene Washington Mutual. Damit mutiert er endgültig zum Resteverwerter der Wall Street.

FRANKFURT. Und wieder hat er zugeschnappt: Zum Schnäppchenpreis kaufte Jamie Dimon Amerikas größte Sparkasse Washington Mutual. 1,9 Mrd. Dollar zahlte der JP-Morgan-Chef für das angeschlagene Institut und mutiert damit endgültig zum Resterverwerter der Wall Street. Bereits im März ließ er seine Leute die Bücher von Washington Mutual prüfen, doch der Deal scheiterte. Stattdessen kaufte Dimon in einer spektakulären Aktion Bear Stearns – für gerade einmal zwei Dollar je Aktie. Vor der Krise wurden die Papiere der traditionsreichen Investmentbank noch mit 170 Dollar pro Stück gehandelt. Doch wie gesagt, das war vor der Krise. Und da zogen die Kunden auch noch nicht in Massen ihr Geld aus dem Traditionshaus ab und da drängten ihn auch noch nicht Börsenaufsicht, Finanzministerium und Zentralbank in den Deal.

Inzwischen ist an der Wall Street nichts mehr wie es einmal war: Too big to fail, zu groß um zu versagen – die Losung gilt längst nicht mehr.

Und doch ist es Größe, die Dimon will. Das war so, als er mit seinem Mentor Sandy Weill in den 80ern Unternehmen nach Unternehmen aufkaufte und 1998 mit ihm die Citigroup, das größte Finanzimperium der Welt, gründete. Und das hielt an, als er sich nur wenige Monate nach dem Megamerger zur Citi im Streit von Weill trennte und dann im März 2000 zur Bank One nach Chicago wechselte.

Dort erwarb sich der neue Chef mit dem präzisen Seitenscheitel schnell den Ruf des harten Sanierers. Als er kam schrieb das Institut noch einen Verlust von 511 Mill. Dollar. Dimon kappte Kosten und Jobs und brachte das kränkelnde Kreditkartengeschäft auf Vordermann. Zwei Jahre später glänzte die Bilanz mit einem Gewinn von drei Mrd. Dollar.

Aber schon damals glaubte niemand ernsthaft, dass sich der „Staatsmann der modernen Hochfinanz“ mit einem Platz in der „Regionalliga“ bescheiden würde. War doch die Bank One nur das fünftgrößte Institut der Vereinigten Staaten und damit fast zu klein für den Vollblutbanker, dem das Geschäft in den Genen zu liegen scheint: Schon sein Großvater, ein griechischer Einwanderer, und sein Vater waren Aktienhändler. Da wundert es wenig, dass sich der Enkel anschickt zum größten Gewinner der Kreditkrise zu werden, zumal er über gute Verbindungen in Finanzwelt und Politik verfügt.

„Hart, intelligent, mit einer verblüffenden Auffassungsgabe und viel Sinn für Details“ sei er, schwärmten Banker an der Wall Street als Dimon Chef von JP Morgan wurde – wieder durch eine Fusion. 2004 übernahm JP Morgan die Chicagoer Regionalbank in einem der größten Zusammenschlüsse der Bankgeschichte – und Dimon gleich mit. Der wurde im Januar 2006 Chef der zweitgrößten Bank der Vereinigten Staaten, die nur wenig kleiner als die Citigroup ist.

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