Der Karstadt-Quelle-Chef kämpft um den Klassenerhalt
Der Aktionärsfänger

Die große Show beherrscht Thomas Middelhoff wie kaum ein anderer. Auch bei der Karstadt-Hauptversammlung hatte er damit Erfolg.

Er weiß noch immer, wie man das Publikum auf seine Seite zieht. Zum Beispiel mit scharfen Attacken auf Banken. Statt Karstadt-Quelle mit seinen 90 000 Mitarbeitern zu helfen, spekulierten diese lieber mit riskanten ausländischen Investments, giftete Thomas Middelhoff am Dienstag bei der Hauptversammlung des Handelskonzerns in Düsseldorf – Beifall für den neuen Vorstandschef.

Zwei Wochen ist er nun im Amt, gestern bewies er, dass er wie kaum ein Zweiter potenzielle Gegner für sich einzunehmen versteht – so wie damals, als er den behäbigen Medienriesen Bertelsmann auf New-Economy-Geschwindigkeit bringen wollte.

Selbst einen heiklen Interessenkonflikt überspielte er mit Bravour. Vor drei Jahren hatte sich Middelhoff mit seiner Ehefrau bei vier Immobilienfonds der Oppenheim-Esch-Gruppe eingekauft, die unter anderem Einkaufszentren an Karstadt vermietet. Die Häuser hatte der Konzern vor einigen Jahren im Sale-and-lease-back-Verfahren an die Finanzgruppe übertragen. Da auf Seiten von Karstadt jedoch die Untervermietung der Center stockt, musste der Essener Konzern inzwischen Rückstellungen über 156 Millionen Euro in die Bilanz stellen.

Middelhoff bringt dies in eine Zwickmühle: Als Privatmann ist er an hohen, als Karstadt-Quelle-Chef jedoch an möglichst niedrigen Zahlungen an die Oppenheim-Esch-Gruppe interessiert. Sein Kommentar: „Sollten sich Konflikte zwischen dem Interesse des Unternehmens und meinen Interessen als Anleger ergeben, hat das Wohlergehen des Unternehmens Vorrang.“ Die Kleinaktionäre quittierten das kaum nachprüfbare Versprechen mit Applaus. Allein Marion Engels von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) monierte: „Das Misstrauen bleibt.“

Vor zwölf Monaten erst war Middelhoff von Großaktionärin Madeleine Schickedanz in den Aufsichtsrat berufen worden, dessen Führung er wenige Wochen später übernahm. Dass er nun an die Spitze des operativen Geschäfts gewechselt sei, habe nicht seiner Lebensplanung „und dem Wunsch meiner Familie“ entsprochen.

Verschlossen gibt sich Middelhoff, wenn es um die Pläne der Hauptaktionärin Madeleine Schickedanz geht. Seit Freitag hält sie mehr als 50 Prozent des Aktienkapitals. Sicher scheint: Auch in den kommenden Monaten dürften Schickedanz und Middelhoff dem Konzern Überraschungen bescheren, denn abgeschlossen ist die Sanierung noch lange nicht.

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