Der König von Leighton
Wal King kämpft um die Unabhängigkeit

Der Chef des australischen Hochtief-Ablegers Leighton legt viel Wert auf die Eigenständigkeit seines Bauunternehmens. Die Firma verkörpert die Erfolgsgeschichte schlechthin - und das nicht zuletzt durch die Führung des 65-Jährigen.
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SYDNEY. Er ist ein "straight talker", ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Mit seiner direkten Art hat der heute 65-jährige Wal (Wallace) King das australische Bauunternehmen Leighton binnen 23 Jahren von einer kleinen Firma zu einem international agierenden Baugiganten geformt. Und das - so würden es seine Anhänger formulieren -, obwohl Leighton zu 54 Prozent vom deutschen Baukonzern Hochtief kontrolliert wird.

In dem Abwehrkampf der Deutschen gegen eine Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS kommt Leighton und seinem Chef eine Schlüsselrolle zu. Die Australier haben am Montag den heimischen Übernahme-Ausschuss angerufen, um die eigenen Minderheits-Aktionäre gegen eine Übernahme durch die Hintertür zu schützen.

Für King ist dieser Schritt nur konsequent. Freiheit und Unabhängigkeit für Leighton stehen für ihn an erster Stelle. "Ich will keine kommandierende Kontrolle", hat er einmal gesagt. Das haben auch die Vertreter von Hochtief im Aufsichtsrat zu spüren bekommen, die keinen Einfluss auf das operative Geschäft haben - diesen aber wollen - und mit dem scharfzüngigen und auf Eigenständigkeit pochenden King mehr als einmal aneinandergerieten. Sie sollen auch dafür gesorgt haben, dass King zum Jahresende seinen Abschied eingereicht hat. "Nach über einer Dekade der Bitterkeit zwischen dem Essener Unternehmen und dem viel erfolgreicheren australischen Ableger", wie australische Beobachter meinen.

Schließlich ist Leighton derzeit erfolgreich unterwegs. Heute gab es die nächste positive Botschaft: Leighton hat neue Bestellungen in Asien und Australien im Gesamtwert von rund 607 Mio. Euro an Land gezogen. Unter anderem sollen Straßen ausgebaut und Stromnetze erweitert werden.

King hat in Australien den Status eines Fast-Gottes. Schließlich ist Leighton die Erfolgsgeschichte schlechthin: Als der Bauingenieur King 1987 auf die Chefposition rückte, kam die Firma auf einen Börsenwert von gerade einmal 85 Mio. australischen Dollar. Heute schlägt sie mit rund zehn Mrd. zu Buche - und ist damit etwa doppelt so viel wert wie Hochtief. Nahezu im Wochenrhythmus zieht Leighton derzeit in Asien und dem Nahen Osten neue Mammutaufträge an Land.

Kings Haltung zum Hochtief-Herausforderer ACS ist zwiespältig. Es ist kein Geheimnis, dass er mit dem spanischen ACS-Chef Florentino Perez befreundet ist. Schon wird in Australien spekuliert, dass King an der Leighton-Spitze bleiben könnte, sollte ACS die Kontrolle von Hochtief und Leighton übernehmen. Doch Kings Preis wird hoch sein: Seine Unabhängigkeit will er sich auch von einem neuen Mehrheitsaktionär nicht nehmen lassen.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent

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