Der künftige Weltchef der Boston Consulting Group im Porträt: Hans-Paul Bürkner: Rastlos und ohne Allüren

Der künftige Weltchef der Boston Consulting Group im Porträt
Hans-Paul Bürkner: Rastlos und ohne Allüren

Er soll als erster Deutsche eine der größten Strategieberatungen führen. Hans-Paul Bürkner muss Boston Consulting wieder auf Wachstumskurs bringen.

„Mehr Loch als Käse“ ist das geflügelte Wort, das viele innerhalb der Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG) mit dem 50-jährigen Hans-Paul Bürkner verbinden. Es soll heißen, dass es immer noch mehr zu tun gibt, als das, was man schon erreicht hat. Das gilt auch für das, was Bürkner aus dem Frankfurter Büro machen will, wenn er Anfang nächsten Jahres als erster Europäer die Nachfolge von Carl W. Stern als Weltchef der BCG antritt.

„Es gibt eigentlich in allen Märkten noch Wachstumsfelder für BCG. Es gibt immer noch mehr Unternehmen, für die wir nicht arbeiten, als Kunden, für die wir arbeiten“, umreißt er sein Arbeitsfeld.

Bescheiden und zurückgenommen tritt Bürkner auf, der im blauen Anzug mit der hellblau-dunkelblau gemusterten Krawatte genau die Branche verkörpert, die er tagtäglich berät: die Finanzwirtschaft. Mit seinem Vorgänger Stern hat Bürkner gemeinsam, dass sie in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Bürkner konzentriert sich lieber auf seine Arbeit, sprich seine Kunden, als dass er sich groß zu Wort meldet. Er gilt als rastlos, fordert von sich und seiner Mannschaft Höchstleistungen und sieht es als Gefahr an, sich mit dem, was man erreicht hat, zufrieden zu geben.

Mancher Kollege kritisiert, dass sich Bürkner nicht einmal zurücklehnen könne, um den Erfolg zu feiern. „Ich sage immer erst, was man besser machen kann, statt die Mitarbeiter zu loben. Hier müsste ich die Reihenfolge ändern“, räumt er freimütig ein, gesteht jedoch zugleich: „Aber ich fürchte, so ganz erfolgreich werde ich in dieser Hinsicht nicht werden.“

Doch er ist auch ein Teamplayer ohne Chef-Allüren. Der erfahrene Partner teilt sich bis heute mit seinen jüngeren Kollegen das Frankfurter Büro. Wenn es abends mal spät wird, sorgt er schon mal höchstpersönlich für Pizza.

Während sein Vorgänger Stern, der sich nach sechs Jahren aus Altersgründen zurückzieht, eher einen Laisser-faire-Führungsstil pflegt, soll Bürkner die Fäden der weltweit in 59 Büros verteilten Organisation wieder straffer zusammenhalten. „Wir haben 355 Partner und sind in 36 Ländern verteilt. Die große Herausforderung ist es, über Länder- und Industriegrenzen hinweg die Partner so in Teams zusammenzubringen, dass dem Kunden unsere gesamte Erfahrung zur Verfügung steht“, lautet sein Ziel. Die BCG gehörte zwar mit rund einer Milliarde Dollar Umsatz im vergangenen Jahr neben McKinsey zu den führenden Beratungsunternehmen der Welt. Sie hat jedoch in den vergangenen zwei Jahren durch den Niedergang der New Economy und der allgemein wirtschaftlich schwierigen Situation leicht Umsatz verloren.

Bürkner soll das Unternehmen zurück auf den Wachstumspfad bringen. Das trauen ihm die Partner der Organisation mehrheitlich zu. Er hat immerhin in den vergangenen 20 Jahren die auf Beratungsprojekte für Banken und Versicherungen spezialisierte Praxisgruppe Financial Services aufgebaut, die ein Viertel zum weltweiten Umsatz beiträgt. „Mit Bürkner verbindet sich der Wunsch, stärker in der umsetzungsorientierten Beratung zu wachsen“, formulierte ein BCG-Mann nach Bürkners Wahl. Das heißt: auf dem Papier entworfene Projekte in die Praxis umzusetzen.

Das betrifft vor allem die Restrukturierung von Unternehmen. Diese Prozesse hat er bei fast allen großen Banken und Sparkassen begleitet und umgesetzt. Zurzeit berät er auch die Bankgesellschaft Berlin. So hat er sich in der Finanzwelt einen guten Ruf erworben. Dabei dürfte ihm sein norddeutsches Understatement geholfen haben und dass ihm Eigenmarketing so fremd ist.

Wenig spektakulär sind denn auch seine Hobbys. „Kein Golf, kein Tennis, kein Oldtimer“, beschreibt er sein Leben jenseits der Arbeit. Bürkner fährt seit vier Jahren denselben Audi Avant. Die wenigen Mußestunden am Wochenende, die sein Beraterjob ihm lässt, verbringt er mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Söhnen. Da stehen Wandern und Kickern und Doppelkopf auf dem Programm.

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