Der Markt der Insolvenzverwaltung bleibt de facto eine geschlossene Gesellschaft
Vergebliche Hoffnung auf neue Mandate

Eingesessene Insolvenzverwalter fürchten keine Konkurrenz - trotz des Verfassungsgerichtsurteils zur Marktöffnung. Dieses hatte geurteilt, dass jeder geeignete Bewerber eine faire Chance erhalten müsse, von den Gerichten in den Bewerberpool aufgenommen zu werden und darüber gegebenenfalls einen gerichtlichen Bescheid zu erhalten.

eve DÜSSELDORF. Doch statt einer Markterweiterung erwarten Verwalter und Marktbeobachter nunmehr eher eine Marktverengung auf weniger und größere Einheiten. "Zu großen Hoffnungen auf neue Mandate besteht kaum Anlass", sagt Rechtsanwalt Siegfried Beck, der eine der großen auf Insolvenzverwaltung spezialisierten Kanzleien führt. Das liegt zunächst am Markt der Unternehmensinsolvenzen selber. 2003 lag die Zahl der eröffneten Gesellschaftsinsolvenzverfahren nur bei rund 12 000 von insgesamt 40 000 Regelinsolvenzen, die sich auf 1 400 deutsche Verwalter verteilten. Das ergab im Schnitt weniger als 10 Verfahren für jeden. "Dabei bräuchte man 15 bis 20 Verfahren, um wirtschaftlich zu arbeiten", schätzt Insolvenzverwalter Michael Pluta, ein anderer führender Insolvenzberater. Zudem sind längst nicht alle Mandate lukrativ. Ein Großteil der Verfahren betreffen Verbraucherinsolvenzen oder Restschuldbefreiungen. "Da bekommen Sie die Mindestgebühr von 250 Euro, haben aber Kosten von 1 000 Euro", sagt Pluta.

Hinzu kommen die vom Verfassungsgericht erhöhten Qualitätsanforderungen an die Insolvenzverwalter. Die Gerichte sind verpflichtet - dies hat das Bundesverfassungsgericht hervorgehoben -, nur geeignete Bewerber in den Bewerberpool zuzulassen und von diesen den jeweils besten für das Verfahren auszuwählen. Laut § 56 Insolvenzordnung müssen dies wirtschaftlich und rechtlich gebildete Personen sein.

In der Praxis entscheidend ist jedoch die Geschäftskunde. "Gerade Unternehmensinsolvenzverwalter sind weniger Anwälte als vielmehr Manager, die ein Unternehmen leiten können müssen", sagt Insolvenzverwalter Beck. Sie sind verantwortlich für die Liquiditätsplanung, die Forderungsbeitreibung, die Aufarbeitung der Buchhaltung und anderes. Zudem ist ein gewisses Standing nötig, um Kreditgeber zur Fortführung des Unternehmens zu gewinnen. "Das können Anfänger noch nicht bieten", sagt Pluta. Auch aus Sicht der Gerichte mache es Sinn, erfahrene Verwalter auszuwählen, weil die überlasteten Richter und Rechtspfleger auf einen reibungslosen, idealerweise EDV-gestützten Ablauf angewiesen sind, den nur spezialisierte Verwalter bieten können. Schließlich kann die Auswahl eines neuen Bewerbers auch an der Befangenheit scheitern. "Gerichte werden kaum Insolvenzberater bestellen, die schon einmal die Gläubiger als Anwalt beraten oder als Wirtschaftsprüfer geprüft haben", sagt Pluta.

Vom Urteil werden wohl nur solche Verwalter profitieren, die bereits im Geschäft sind. So könnte sich ein Kölner Insolvenzverwalter zumindest in den Bewerberpool eines Münchener Gerichts einklagen. Den Zuschlag erhalten im Zweifelsfall auch in Zukunft die Münchener.

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