Der Mars-Clan
Wie die CIA

Sie führen ihre Geschäfte äußerst sparsam, streng und diskret. Deshalb gibt es von John und Forrest Mars keine Fotos. Wer sind die beiden amerikanischen Schokoriegel-Milliardäre, die jetzt den Kaugummihersteller Wrigley übernehmen?

NEW YORK. Jeder kennt ihre Produkte, aber kaum jemand kennt die Eigentümer. Selbst an jenem Tag, an dem der US-Schokoriegelhersteller Mars den Kaugummigiganten Wrigley für 23 Milliarden Dollar schluckt, schweigt die Familie. Eine spärliche Pressemitteilung auf der Webseite und ein paar Managerfloskeln vom „Global President“ Paul Michaels müssen genügen.

Der Mars-Clan lässt selbst Anfragen vom „Wall Street Journal“ unbeantwortet. Dass sich ein Markenunternehmen, dessen Erfolg entscheidend vom Bekanntheitsgrad seiner Produkte abhängt, derart öffentlichkeitsscheu zeigt, gehört zu den vielen Widersprüchen, die sich um das Schoko-Imperium ranken.

Mit ihrer Geheimnistuerei übertreffen die Mars-Menschen noch ihre berüchtigten Nachbarn. Nur wenige Kilometer vom Firmensitz in McLean im US-Bundesstaat Virginia entfernt befindet sich das Hauptquartier des US-Geheimdienstes CIA. Dort sickern zumindest hin und wieder Informationen und Skandale ans Licht der Öffentlichkeit. Nicht so bei Mars. Nicht einmal Bilder gibt es von den Familienpatriarchen John und Forrest Mars Jr. „Wir wissen mehr über den Roten Planeten als über den gleichnamigen Schokohersteller“, lästert ein Branchenkenner.

Alle, die mehr über Mars wissen wollen, sind deshalb auf Geschichtsbücher und Gerüchte angewiesen. Historisch belegt ist zum Beispiel, dass die Erfolgsgeschichte des Schokoriegels 1911 in der Küche von Frank C. Mars in Tacoma/Washington ihren Anfang nahm. Zusammen mit seiner Frau Ethel produzierte der Firmengründer Süßigkeiten aus Buttercreme. Daraus wird eine kleine Fabrik mit 125 Mitarbeitern, die expandiert und 1920 nach Minneapolis verlegt werden muss. Der Durchbruch gelingt 1923 mit dem Schokoriegel „Milky Way“, sieben Jahre später folgt „Snickers“.

Inzwischen ist Mars nach Chicago umgezogen und hat seinen Sohn Forrest E. Sr. in den Familienbetrieb geholt. Nach einem Familienkrach geht der mit 50 000 Dollar und der Geheimformel für „Milky Way“ in der Tasche nach England, gründet dort seine eigene Firma und kehrt während des Zweiten Weltkriegs mit einer neuen Produktidee (M&M’s) zurück nach Amerika. Dort vereinigt er seine Firma mit dem Unternehmen seines Vaters zur Mars Inc. Forrest Sr. ergänzt die Produktpalette um „Uncle Bens’s Rice“ und Tierfutter wie „Whiskas“, „Pedigree“ und „Sheba“. 1973 übernehmen seine Söhne John und Forrest Jr. das Steuer des inzwischen weltweit tätigen Konzerns. Das hält den Senior aber nicht davon ab, bis zu seinem Tod 1999 ins Tagesgeschäft hineinzureden.

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