Der neue Chef stellt alles auf den Prüfstand
Eric Daniels soll Lloyds TSB Wachstum bringen

Eric Daniels lässt keinen Zweifel an seinem Tatendrang aufkommen. Der neue Chef von Lloyds TSB, der viertgrößten britischen Bank, ist noch keine zwei Monate im Amt, und schon weist er mit beiden Armen den Weg.

LONDON. Internationale und wenig ertragreiche Geschäftszweige wie Brasilien könnten bald verkauft werden, wenn sie nicht genug Rendite bringen.

Jüngsten Interviews zufolge steht sogar die größte Transaktion der vergangenen Jahre auf dem Prüfstand: der knapp zehn Milliarden Euro teure Zukauf des Versicherungs- und Fondsgeschäfts von Scottish Widows. Auch wenn damit noch kein Verkaufsmandat erteilt ist: So klar und hart hat das noch niemand ausgedrückt. Es scheint, als wehe in der Bank ein neuer Wind.

Bislang hat sich der ehemalige Leiter des erfolgreichen Privatkundengeschäfts in der City eher als „unsichtbarer“ einen Namen genannt, weil ihn niemand richtig kennt. Der 51-jährige Vater eines 12-jährigen Sohnes war nur ein Jahr an Bord, als er zum Nachfolger von Peter Ellwood ernannt wurde. Und er tritt ein schweres Erbe an. Nicht dass Ellwood ein schlecht aufgeräumtes Haus hinterlassen hätte. Lloyds nahm 2002 zwar einen geringeren Vorsteuergewinn als im Jahr zuvor ein, aber immer noch gut 2,6 Milliarden Pfund (gut 3,7 Milliarden Euro). Dank fallender Zinsen boomen die Kredite, und die Dividendenrendite von 8 Prozent gehört zu den attraktivsten in Europa.

Doch die erhoffte Wachstumsstory, die Konkurrenten wie HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS) mühelos aufweisen, blieb Lloyds schuldig. Der im amerikanischen Dillon in der Westernprovinz Montana geborene, langjährige Citibanker deutet auch hier den Weg: Konzentration auf die eigenen Stärken, weg mit unrentablen Geschäftsfeldern. Er will den heutigen Kunden mehr und vor allem neue Produkte verkaufen. Dass er dabei den Anstieg der Kosten unterhalb der Inflationsrate halten muss, ist ebenfalls schwierig.

Wie der Mann, der in 2000 einen kurzen Aufenthalt als CEO des südamerikanischen Finanzportals Zona Financiera hatte, das bewältigen will, hat er bislang nicht verraten. Andererseits deutet sich bei dem Sohn eines deutschen Vaters und einer chinesischen Mutter schon durch die Wahl seines Hobbys – Fliegenfischen – an, dass er keine Standardlösungen verfolgt. Mit der für britische Verhältnisse revolutionären Innovation von Habenzinsen auf laufenden Konten hat Lloyds den Preiskampf unter den großen vieren (dazu gehören Barclays, RBS und HSBC) eröffnet. Und der Neue wird am Markt positiver eingeschätzt als sein Vorgänger. Der Kurs von Lloyds TSB ist seit Anfang des Jahres etwas stärker gestiegen als bei den Konkurrenten.

Das gilt allenfalls als positiver Vorschuss. Derzeit liest der Bankenchef mit seinem Sohn den neuesten Band der Saga um Harry Potter. Einen Zauberer braucht Lloyds TSB zwar nicht, wohl aber einen Mann mit neuen Ideen.

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