Der neue Designchef Murat Günak sorgt in Wolfsburg für eine Formen-Offensive
Der Mann, der VW ein Gesicht gibt

Der Pförtner stutzt. „Günack“?, mit „ck“? Nein, mit „k“. Sehr bekannt scheint Murat Günak auf dem Wolfsburger VW-Gelände noch nicht zu sein. Dabei entscheiden sein Geschmack und seine Kreativität zu einem großen Teil über den Erfolg und die Arbeitsplätze des Konzerns. Er und sein Team geben den VWs, Audis, Seats, Skodas, Lamborghinis, Bentleys und Bugattis ein Gesicht. Murat Günak ist seit gut 100 Tagen Chef der Designabteilung des VW-Konzerns.

WOLFSBURG. Auch wenn ihn der Pförtner noch nicht kennt, in der Szene der Autodesigner gehört der in Istanbul geborene und später in Deutschland aufgewachsene Günak zu den Stars. Er hat der Traditionsmarke Peugeot neuen Schwung gegeben und die Optik der jüngeren Mercedes-Modelle geprägt. Jetzt will er die VW-Karosserien neu formen. „Sinnlich, harmonisch und ohne störende Kanten – wie ein schöner Körper“, sagt der eher kleine Mann mit dem jungenhaften Gesicht und zeichnet in seinem Büro die Linien mit sparsamen Gesten in die Luft.

Und schon ist er in seinem Element. Er will Autos, die eine „Spannung zwischen Aggressivität und Sanftheit“ vermitteln. Eine „Mischung aus skulpturierten Flächen, mit denen das Licht spielt, und strengen Linien, die die Flächen schneiden“, und „knapp geschnitten wie ein guter Maßanzug“.

Dass das auf den neuesten Golf nicht zutrifft, lässt Günak nicht gelten. Als eine der letzten Ikonen der Automobilindustrie müsse dieser mit Respekt behandelt werden. „Bei Autos, die einen allzu schnellen Kick versprechen, verpufft die Wirkung auch schnell“, verteidigt er den Golf, dessen Absatz bisher weit unter den Erwartungen liegt.

Aber die nächste Generation, die erste unter seiner Führung, wird weniger nüchtern. Von der „strengen, rationalen Formensprache“ der Vergangenheit will er sich verabschieden. Er will zwar nichts Schrilles kreieren, aber die Autos sollen Modernität vermitteln. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, den verweist er auf das neue Mercedes-Coupé CLS. Das hält der Chefdesigner, der meist dezente Anzüge trägt, für den schönsten seiner bislang umgesetzten Entwürfe. Auch die Studie des Golf Cabriolets mit Glas-Klappdach und schmuckem Kühlergrill aus Chrom ist ein Vorgeschmack auf das, was kommt.

Ansonsten hilft ein Blick auf das graue Designerregal in Günaks Büro. Da stehen die Arbeiten, die er bei seinen früheren Arbeitgebern abgeliefert hat: der Peugeot 206, der Supersportwagen Mercedes SLR McLaren und ein Maybach.

Die Nobelkarossen aus Stuttgart wollen in diesen schmucklosen Siebziger-Jahre-Gebäudeklotz aus schmutzig-weißem Verputz und Waschbetonflächen, in dem Günak nun logiert, nicht recht passen. Genauso wenig, wie der quirlige Stardesigner in dieses eher trostlose Ambiente passt. Dafür hat er sein Büro mit Metall und Glas und wenigen Bildern gestylt. Auf einem steht der Spruch: „Ich liebe die Regel, die die Emotion korrigiert.“ Ein Geschenk seiner Frau, einer deutschen Pianistin, sagt Günak.

Seite 1:

Der Mann, der VW ein Gesicht gibt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%