Der neue Hewlett-Packard-Chef im Profil
Spiel, Satz und Sieg Hurd

Mark Hurd ist neuer Hewlett-Packard-Chef. Der Manager hat schon Karrieren als Tennisprofi und als Sanierer hinter sich.

HB PORTLAND. Er jettet nicht von einem internationalen Forum zum nächsten. Sein Mittagessen nimmt er in der Kantine ein, auf den Fluren der Firmenzentrale ist er oft anzutreffen. Und sein Konterfei mit der langen, schmalen Nase und den leichten Hamsterbäckchen zierte bislang nicht die Titelseiten von Wirtschaftsmagazinen. Sprich: Er benimmt sich völlig anders als Carly Fiorina, die Ex-Chefin des High-Tech-Konzerns Hewlett-Packard.

Und trotzdem ist Mark Hurd, 48, ab 1. April ihr Nachfolger. Nach dem misslungenen Experiment mit Management-Superstar Fiorina an der Konzernspitze wählte der HP-Aufsichtsrat mit Hurd einen Managertyp, dem im Vergleich mit seiner vor sieben Wochen geschassten Vorgängerin eher das Image einer grauen Maus anhängt.

Anders als Fiorina, die bei AT & T, Lucent und HP große Sprünge auf der Karriereleiter machte, arbeitete sich Hurd in 25 Jahren beim Elektronikkonzern NCR vom Verkäufer zum Vorstandschef hoch. Während Fiorina HP mit großen strategischen Schritten expandierte, ohne dass die Ertragskraft oder der Aktienkurs davon profitierte, sanierte Hurd in aller Stille die notleidende NCR innerhalb von nur zwei Jahren. Er sei das genaue Gegenteil von Fiorina, sagt auch Alan Sonnenfeld von der Yale School of Management. Hurd hofiere nicht die Finanzpresse, sondern konzentriere sich auf die Führung. Für Hewlett-Packard sei die Wahl „brillant“.

Wandel des einstigen Registrierkassenherstellers

Geboren wurde der Vater zweier Töchter in New York City. Mit einem Tennis-Stipendium studierte er an der Baylor University in Texas, nach dem Abschluss seines Wirtschaftsstudiums versuchte er sich als Tennis-Profi. Doch nach einigen überraschenden Niederlagen auf dem Tenniscourt erkannte er schnell, dass damit nicht viel Geld zu verdienen ist.

1980 heuerte er als Vertreter bei NCR, damals noch National Cash Register, in Texas an. Er erlebte den Wandel des einstigen Registrierkassenherstellers zum Elektronik- und Computerkonzern ebenso mit wie die traumatische Übernahme 1991 durch den Telefonriesen AT & T, die NCR fast ruiniert hätte. AT & T kaufte 1992 auch die Datenspeicherfirma Teradata hinzu, integrierte sie in NCR, verbrauchte eine Reihe von Chefs und gab nach Investitionen und Verlusten in zweistelliger Milliardenhöhe schließlich auf. NCR wurde wieder zu NCR und zusammen mit Lucent Technologies 1996 in die Selbstständigkeit entlassen. Für Fiorina war Lucent das Sprungbrett zu HP, für Hurd ist es NCR.

Hurd spezialisierte sich bei NCR auf das Geschäft mit der Speicherung und Auswertung großer Datenmengen. 1999 wurde er Leiter der NCR-Tochter Teradata. 2001 wird er Präsident von NCR, im September 2002 zusätzlich Chief Operating Officer und im März 2003 schließlich als Nachfolger von Lars Nyberg Vorstandschef. Nach Jahren enttäuschender Ergebnisse ist der Kurs der NCR-Aktie zu diesem Zeitpunkt auf dem tiefsten Punkt seit der Entflechtung von AT&T angekommen. 2002 verlor das Unternehmen 220 Millionen Dollar bei 5,6 Milliarden Dollar Umsatz. Innerhalb von zwei Jahren machte Hurd daraus 290 Millionen Dollar Gewinn. Der NCR-Kurs vervierfachte sich. Er habe im Tennis gelernt, sagt er in einem Interview, dass man sofort mit vollem Tempo aufspielen müsse. Der NCR-Aufsichtsrat belohnte sein Tempospiel 2004 mit über zwei Millionen Dollar Gehalt und Bonus.

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