Management
Der Öko-Kämpfer aus Holland

Es war eine ungewöhnliche Riege von Öko-Kämpfern, die sich jetzt in London in der Zentrale des Industrieverbandes CBI der Presse stellte. Die Gruppe um den Chef der British Telecom, Ben Verwaayen, soll der britischen Wirtschaft Umweltbewusstsein einbläuen.

LONDON. Sir John Rose, Chef des Triebwerkherstellers Rolls-Royce, BP-Vorstand Iain Conn, CBI-Generaldirektor Richard Lambert, McKinsey-Landeschef Dominic Casserley – und in der Mitte der Vorsitzende der Klima-Task-Force der britischen Wirtschaft, British-Telecom-Chef Ben Verwaayen. Im grellen Scheinwerferlicht schwitzend, präsentierten sie konkrete Vorschläge, wie die Briten die von der Regierung versprochene Reduzierung des CO2-Ausstoßes realisieren könnten.

„Wir sind nicht Prediger, sondern Geschäftsleute“, gab Verwaayen in typisch direkter Redeweise vor. Es werde letztlich die Aufgabe der Unternehmen sein, Großbritannien zu einer Wirtschaft mit niedrigem CO2-Ausstoß umzubauen, doch die Politik müsse jetzt die Rahmenbedingungen vorgeben.

„Die nächsten zwei, drei Jahre werden entscheidend sein“, warnt der Holländer mit kampfeslustigem Blick unter schütterem Haupthaar. Schon jetzt seien die Emissionsziele für 2020 wohl nicht mehr zu erreichen. Mit dem Programm der Aktionsgruppe sollen aber die Ziele für 2050 zu realisieren sein – zu Kosten, die 100 Pfund je Haushalt und Jahr nicht übersteigen.

Es kommt nicht oft vor, dass prominente Wirtschaftslenker nach Ökosteuern und neuer staatlicher Regulierung rufen. Doch genau das tut die Gruppe. Auf der CBI-Jahreskonferenz werden heute und morgen in London die Führer aller drei relevanten Parteien reden, und der Klimaschutz wird eine zentrale Rolle einnehmen. Die Wirtschaft drängt, dass Lippenbekenntnissen nun Taten folgen müssen – einschließlich solcher, die für Bürger unbequem sind.

Dass Verwaayen die Klima-Task-Force anführt, ist kein Zufall. Der Mittfünfziger arbeitet seit Jahren daran, BT zu einem umweltfreundlichen Konzern zu machen. Im Oktober stellte er ein großes Windenergie-Projekt vor: BT will mehr als 350 Millionen Euro in eigene Windparks investieren, die rund ein Viertel des Strombedarfs decken sollen. Der Konzern hat nach eigenen Angaben seinen CO2-Ausstoß bereits um 60 Prozent reduziert. Das gelang zusätzlich zum Konzernumbau, bei dem Verwaayen das schrumpfende Festnetzgeschäft mit neuen Wachstumsfeldern ergänzt hat.

Auch das politische Parkett ist dem Manager, der auf eine lange internationale Karriere in der Telekommunikation zurückblickt, nicht fremd. In der niederländischen Heimat schrieb er zuletzt das Wahlmanifest für die wirtschaftsliberale Partei VVD, getreu seinem Motto: „Die öffentliche Debatte ist viel zu wichtig, um sie Politikern zu überlassen.“ Ob ihm auch die britische Politik ein Ohr leiht, wird sich zeigen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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