Der Potsdamer Mode-Designer startet Comeback
Wolfgang Joop im neuen Gewand

Ob Top-Model Nadja Auermann oder TV-Moderator Günther Jauch etwas ahnen? Fast unbemerkt von seinen berühmten Nachbarn bereitet Wolfgang Joop in seiner Villa an Potsdams nobler Seestraße seit einigen Tagen ein Treffen vor.

HAMBURG. Die Vorsicht vor unliebsamen Besuchern ist verständlich: Der Designer will eine neue Modemarke auf den Markt bringen, die auf hochwertige Abendgarderobe für Damen setzt. Nun soll die Kollektion am morgigen Freitag einem kleinen Kreis von Journalisten und Fachhändlern vorgestellt werden. „Wir wollen keine große Kollektion starten, sondern fast schon Unikate herstellen“, sagt Joops Geschäftspartner Edwin Lemberg.

Damit kehrt Deutschlands Ex-Modekönig nach seinem Rückzug Anfang 2001 in die Welt der Haute Couture zurück. Zusammen mit seinem Lebensgefährten Lemberg hat er die Wunderkind Couture GmbH gegründet. „Ich will mit Herrn Joop ein neues Glamour-Label aufbauen, das sich von großen Marken wie Prada absetzt“, sagt Lemberg.

Innerhalb von weniger als zwei Monaten rückt so eine weitere deutsche Mode-Größe wieder ins Rampenlicht: Erst vor kurzem ist die Hamburgerin Jil Sander als neue Design-Chefin wieder zur Jil Sander AG zurückgekehrt. Schon im Herbst will sie ihre neue Kollektion vorstellen.

Joops Rückkehr kommt überraschend. Noch vor zwei Jahren hatte er die Lust am Modemachen ganz verloren. Wutentbrannt stieg der gebürtige Potsdamer nach dauerndem Zank mit dem Mehrheitseigentümer Wünsche aus der vom ihm gegründeten Joop GmbH aus.

Seine Zeit vertrieb sich der Designer anderweitig: Er zeichnete Bilder, versuchte sich als Schauspieler, schnupperte in die Politik-Szene, schrieb Bücher und „Spiegel“-Essays. Gedanken an ein Comeback hegte der heute 58-Jährige – immer noch mit wild gestyltem Haar und flippigem Outfit – aber nicht. „Ich muss auf keinen Laufsteg zurück, suche lieber nach Ausgängen“, sagte er noch kürzlich.

Nun will es Joop doch noch einmal wissen. Mit dem Riesenangebot großer Modefirmen will und kann er nicht konkurrieren. Er setzt auf eine kleine, hochwertige Kollektion. „Die Preise für die Abendkleider bewegen sich zwischen 2 000 bis 10 000 Euro“, sagt Lemberg.

Dass Joop klein, aber fein startet, liegt vor allem am Kapitalmangel: Die Geldhäuser sind bei der Finanzierung neuer Modemarken inzwischen vorsichtig: „Die Banken sind kaum bereit, Kredite für neue Mode-Projekte zu vergeben“, betont Lemberg. Die Modebranche befindet sich in einer tiefen Krise. So ist der Umsatz im Markt für Luxusartikel wegen der allgemein schlechten Wirtschaftslage in den vergangenen zwei Jahren deutlich gesunken.

Doch die Finanzierung der neuen Joop-Kollektion ist offenbar gesichert. Denn der Trendsetter kann auf eine millionenschwere Abfindung für seinen alten Designervertrag mit der Joop GmbH hoffen. Der Hintergrund: Peter Littmann, Ex-Vorstandschef des Joop-Mehrheitseigentümers Wünsche, hatte sich in 2000 mit dem extrovertierten Kreativ-Chef verkracht. Immer wieder zankten sich die beiden um Geld und die strategische Ausrichtung der Mode-Marke.

Anfang 2001 kam es zum Eklat. Littmann setzte den Designer vor die Tür und kündigte ihm seinen Anstellungsvertrag bei der Joop GmbH. Dies ließ Joop nicht auf sich sitzen. Er pochte auf die Erfüllung des Vertrags und ging bis Mitte dieses Jahres den Weg durch mehrere gerichtliche Instanzen – offenbar mit Erfolg. „Herrn Joop steht ein Betrag zu, den die Joop GmbH jetzt zu zahlen hat“, erklärt Wunderlich-Geschäftsführer Lemberg. Über die Höhe der Summe schweigt er. Doch der Geldsegen dürfte für die erste Wunderkind–Kollektion reichen.

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