Der Pritzker-Clan
Zentrifugale Kräfte

Es ist nicht die finanzielle Not und schon gar nicht die Gunst der Stunde – darin sind sich alle Beobachter einig. Die Triebfeder für den jüngst angekündigten Börsengang der Hyatt-Hotelkette liegt allein in der Familienpolitik. Warum der zerstrittene Pritzker-Clan das Herzstück ihres Firmenimperiums an die Börse bringt.

ATLANTA. Die Pritzkers zählen neben den Kennedys, Rockefellers, Mellons oder Carnegies zu den großen US-Unternehmerfamilien. Herzstück der Dynastie aus Chicago, deren Vermögen auf 15 Mrd. Dollar geschätzt wird, ist die Hyatt-Hotelkette mit 370 Häusern weltweit.

Die Hyatt-Gruppe, an der die Pritzker-Familie 85 Prozent hält, will nun bis zu 1,15 Mrd. Dollar mit der Ausgabe ihrer Aktien einlösen – und zwar noch in diesem Jahr. Zwar steht der Traditionskonzern insgesamt besser da als viele seiner Wettbewerber: Von 2004 bis 2008 konnte Hyatt seine Umsätze von 2,7 auf 3,8 Mrd. Dollar steigern. Doch die globale Rezession hat auch bei Hyatt zuletzt deutliche Spuren hinterlassen. Das seien „nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Börsengang“, wundert sich der New Yorker Analyst Francis Gaskins.

Warum also ohne Not ein solcher Schritt? Familieninterna, schreibt die „Chicago Tribune“. „Warum sonst sollten die Pritzkers Anteile ihres Kronjuwels in der schwersten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression verkaufen?“ Tatsächlich soll der Gang an die Börse helfen, die zahlreichen Holdings in Familienbesitz neu zu ordnen, die Struktur zu entwirren und, wie viele Beobachter meinen: das Imperium abzuwickeln. Ende 2002 hatte sich der tief zerstrittene Clan geeinigt, das Vermögen unter elf Mitgliedern bis 2011 aufzuteilen.

Die Auflösung des Konglomerats beendet eine uramerikanische Unternehmergeschichte. Die begann mit Nicholas Pritzker, jüdischer Einwanderer aus der Ukraine, der ohne einen Cent in der Tasche Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika kam. Seine Söhne Abram und Jack vermehrten das Vermögen durch Immobiliengeschäfte in Chicago.

Abrams Sohn Jay Pritzker kaufte im September 1957 ein Motel am Flughafen von Los Angeles von dem Unternehmer Hyatt von Dehn: Die Hyatt-Gruppe war geboren und wuchs in den folgenden Jahrzehnten zum globalen Imperium. Der Name Pritzker stand fortan für Wohlstand, Klasse und Mäzenatentum. Der „Pritzker-Preis“ gilt bis heute als eine Art Nobelpreis für Architektur.

Seite 1:

Zentrifugale Kräfte

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%