Der Schattenmann
Didier Lombard folgt Thierry Breton an der Spitze von France Télécom

Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte man Didier Lombard nicht machen können: Am 27. Februar wurde der Telekommanager nicht nur 63 Jahre alt, sondern auch neuer Chef von France Télécom.

PARIS. Diese Blitzberufung wurde nötig, weil Thierry Breton gestern die Unternehmensführung abgab, um den Schleudersitz des französischen Finanz- und Wirtschaftsministers zu übernehmen.

Die Wahl Lombards ziele vor allem darauf ab, Aktionären und Mitarbeitern einen Garanten für Stabilität und Kontinuität an der Spitze von France Télécom zu präsentieren, sagen Analysten. Schließlich arbeitete der Telekomingenieur seit zwei Jahren eng an der Seite Bretons. Lombard beriet ihn in Sachen Technologie, strategische Partnerschaften und neue Anwendungen. Bei den Anlegern stieß der neue Chef aus Skepsis. Die Aktie gab gestern deutlich nach.

Strategische Vorstöße werden von dem neuen Chef indes nicht erwartet. „Lombard ist ganz klar ein Übergangskandidat“, sagt ein Telekommanager, der den neuen France-Télécom-Chef persönlich kennt.

Lombard gilt als exzellenter Techniker. Finanzfragen sind dagegen nicht seine Stärke. Der Vater von drei Kindern kündigte bereits an, dass er bei der Unternehmensführung eng mit den Vorständen Michel Combes (Finanzen) und Olivier Barberot (Personal) zusammenarbeiten will. Die Rolle Combes, der selbst als möglicher Nachfolger für Breton galt, wird aufgewertet. „Er wird mich bei der operativen Unternehmensführung unterstützen“, sagte Lombard.

Die Unterstützung wird er brauchen. Denn jahrelang wirkte Lombard eher im Verborgenen. Als Chef eines der größten Telekomunternehmen Europas steht der Opernliebhaber nun selbst im Rampenlicht. Mit 63 Jahren übernimmt er zum ersten Mal in seinem Leben die Leitung eines Unternehmens. Dafür bringt er aber über dreißig Jahre Erfahrungen in der Telekombranche mit. Nach seinem Ingenieurstudium fängt er 1967 bei France Télécom in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung an. 1989 wechselt er zunächst ins Forschungs-, kurz darauf ins Industrieministerium.

Dort wirkt er bei vielen Unternehmensrestrukturierungen mit: Renault, Bull und Thomson. Er gilt auch als einer der Architekten des französisch-italienischen Chipherstellers STMicroelectronics, einer der seltenen geglückten Versuche, mit politischer Einflussnahme einen europäischen Champion zu basteln. Lombard wird auch zugeschrieben, Breton auf den Chefsessel bei Thomson und später bei France Télécom geholfen zu haben.

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