Der Schweizer Jürg Oleas wird Nachfolger von Udo Stark
Ein Ingenieur wird MG-Chef

Zum Jahresende 2004 sollte Jürg Oleas MG Technologies wieder verlassen. Doch am Dienstagabend rief der MG-Aufsichtsrat den 47-jährigen Oleas zurück, verlängerte seinen Vorstandsvertrag bis Ende 2007 und setzte ihn auf den Sessel des Vorstandsvorsitzenden.

FRANKFURT/M. In seinem Büro steht eine fast mannshohe Turbinenschaufel. Sie ist das Abschiedsgeschenk der ABB Alstom Power Schweiz an Jürg Oleas, ihren Präsidenten und weltweiten Bereichsdirektor für Kombi-Turbinen-Kraftwerke. Er bekam es, als er 2001 im Vorstand der MG Technologies die Verantwortung für den Chemiebereich übernahm.

Ein weiteres Abschiedspräsent ist dem Schweizer Oleas gerade entgangen. Zum Jahresende 2004 sollte er die MG wieder verlassen – sein Bereich wurde im Laufe dieses Jahres weitgehend verkauft. Doch am späten Dienstagabend rief der MG-Aufsichtsrat den 47-jährigen Oleas zurück, verlängerte seinen Vorstandsvertrag bis Ende 2007 und setzte ihn auf den Sessel des Vorstandsvorsitzenden – als Nachfolger von Udo Stark, der erst Anfang Juni 2003 Kajo Neukirchen auf diesem Platz beerbt hatte.

Stark schied wie Neukirchen im Streit mit dem Großaktionär und Aufsichtsratsmitglied Otto Happel aus – beide kamen der formellen Abberufung mit einvernehmlichen Regelungen zuvor. Und beide galten als Manager, die mit harten Bandagen und notfalls auch lautstark zu kämpfen gewohnt waren. Vom Skifahrer Oleas weiß man dergleichen noch nicht: Er gilt als Mann der leisen Töne, pflegt ruhig und mit Bedacht zu reden.

Das Maß seiner Zurückhaltung zeigt sich auch daran, dass es über ihn kaum Berichte gibt, die häufigsten Erwähnungen hatte er in den vergangenen Tagen als mutmaßlicher Nachfolger von Stark. Dass er sich aus allen Querelen der immer wieder skandälchengeschüttelten MG herausgehalten hat, lohnte sich: Als einziges Vorstandsmitglied der Ära Neukirchen sitzt er nach wie vor im Führungsgremium des Konzerns, seit geraumer Zeit als Dienstältester – vom 1. November an nun sogar als Vorstandschef.

Verziehen ist mit seiner Berufung offenbar auch, dass er einen Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Heraeus mitunterzeichnet hatte, in dem der Vorstand sich über Eingriffe des Großaktionärs Happel in laufende Geschäfte beschwerte. Allerdings: Als Mann von Happels Gnaden wird ihm eine gewissen Skepsis entgegenschlagen.

Doch nach Ausbildung und Werdegang passt der Neue gut zum neuen Profil der MG, die sich – den Abschluss des zunächst fehlgeschlagenen Verkaufs des Autozulieferers Dynamit Nobel Kunststoffe GmbH vorausgesetzt – inzwischen als reiner Spezialmaschinen- und Anlagenbauer aufgestellt hat. Geboren und aufgewachsen in Südamerika, studierte Oleas Maschinenbau in Zürich und schloss als Diplom-Maschinenbauingenieur ab.

Bei ABB arbeitete er sich dann hoch vom Entwicklungsingenieur zum weltweiten Verkaufschef für Dampfkraftwerke, begleitet von etlichen Auslandsaufenthalten. Nach zwei Jahren bei ABB Alstom kam er schließlich zur MG. Dort muss der Vater von zwei Kindern erst einmal die Wogen glätten. „Jetzt gilt es, sich auf das Geschäft zu konzentrieren“, lautete seine erste Anordnung.

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