Der Sprachkritiker Wolf Schneider wird 80 Jahre alt
Prügel vom strengen Lehrer

Blattkritik von Wolf Schneider ist eine der vergnüglichsten Mischungen aus Sadismus und Masochismus, die es im deutschen Journalismus gibt. So auch beim Jubiläum der Henri-Nannen-Schule im vergangenen Jahr.

DÜSSELDORF. Seine alte Zeitung, die „Süddeutsche“, hatte es doch tatsächlich geschafft, in der Überschrift einer kleinen Meldung von „ivorischen Rebellen“ zu schreiben. Da legte Schneider seine ganze Betonung auf dieses seltsame Adjektiv, wiederholte es, zog es in die Länge, mit Verachtung in der Stimme, bis der Saal jubelte. Und der Kollege der „Süddeutschen“ gegenüber in sich zusammensank. Unerbittlich attackiert Schneider unsere Schlampereien. „Elfenbeinküstisch“ gibt es nicht und ist zu lang. Im Französischen heißt es „ivorien“, also schnell „ivorisch“ gebildet. Was niemand versteht.

Schneider hat so oft Recht, dass es schmerzt. Er war für seine Schüler der vorgezogene Praxisschock. Eine harte Schule hat er aber auch selbst durchgemacht. Als er bei Associated Press in München als Korrespondent anfing, stellte der junge Mann irgendwann überrascht fest, dass die Firma schon einen Mitarbeiter hatte, der auf die gleichen Pressekonferenzen ging wie er. Schneider beschwerte sich in der Frankfurter Zentrale, Antwort seines amerikanischen Chefs: „Soll ich runterkommen und Ihnen die Hand halten?“

Später hat Schneider so viel erreicht wie kaum ein anderer deutscher Journalist: Korrespondent der „Süddeutschen“ in Washington, Verlagsleiter des „Sterns“, Chefredakteur der „Welt“, Autor zahlreicher Bücher, Moderator der NDR-Talkshow und schließlich 16 Jahre Leiter der Henri-Nannen-Schule, die er aufgebaut und geprägt hat.

Am morgigen Samstag wird Schneider 80 Jahre alt. Vor zehn Jahren hatte er sich nach Mallorca verabschiedet, denn „man kann nicht verhindern, dass man alt wird. Aber man kann verhindern, dass es bei schlechtem Wetter geschieht.“

Jetzt ist er nach Deutschland zurückgezogen, nach Starnberg. Er sitzt schon wieder an einem Buch, wird bald Kolumnen für das Handelsblatt schreiben, gibt Sprachseminare für Manager – und unterrichtet immer noch Journalisten.

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