Der Streit um die Vetternwirtschaft hat tiefe Wunden in London hinterlassen
Im Namen des Vaters

Seit James Murdoch die Mediengruppe BSkyB führt, sprechen Kritiker von Vetternwirtschaft - gegen den Willen der Investoren setzte Rupert Murdoch seinen Sohn als Chef bei BSkyB durch. Jetzt will James das Gegenteil belegen.

LONDON. Der große Saal ist noch abgedunkelt, die Bühne dämmert in gespenstischem Neonblau. Plötzlich taucht ein Schatten auf, wandelt langsam durch den Raum: James Murdoch. Nachdenklich streicht sich der neue Chef von BSkyB dabei über das spitze Kinn, wandert in Gedanken versunken durch die Stuhlreihen. Ob er sie spürt, die Ruhe vor dem Sturm?

Der erste Orkan, den James in London auslöste, hat sich wieder gelegt. Doch die Schäden sind keineswegs behoben. Im November wurde der erst 31-jährige Chef des größten Bezahlfernsehsenders in Europa. Gegen den Willen vieler Investoren setzte ihn Vater Rupert Murdoch durch. Denn der Medienunternehmer kontrolliert als Großaktionär den britischen Sender und ist mächtiger Chairman. Es folgte ein Streit um die „Vetternwirtschaft“, der Wunden in der City hinterlassen hat.

Wie tief sie sind, zeigt sich an diesem Tag Anfang August, an dem James Murdoch seine erste Jahresbilanz vorlegt. Sie glänzt mit guten Zahlen, doch die Reaktion der Börse ist verheerend. Der Aktienkurs stürzt um fast 20 Prozent ab. Die Strategie von Murdoch junior habe einfach nicht überzeugt, heißt es zur Begründung.

Dabei hat der junge Mann vorher wie ein Löwe gekämpft. Rastlos wetzt er 90 Minuten am Stück auf der Bühne auf und ab, präsentiert ohne Punkt und Komma seine Vision. Ganz allein. Kein Chairman, der schützend eingreifen kann. Kein Finanzvorstand, der bei heiklen Bilanzfragen aushilft. James Murdoch will es allen zeigen: Ich bin nicht „daddy’s boy“. Das ist meine Schau, das ist jetzt mein Unternehmen, und das ist meine Strategie.

Er verspricht mehr Dividende, mehr Abonnenten und neue Programme. „Das Geschäft mit Pay-TV steht erst am Anfang“, lautet die Botschaft. Nur, es glaubt ihm keiner. James Murdoch bleibt wie sein gesamter Auftritt – isoliert. Dabei hat er seine Aufgaben gemacht. Analysten und Journalisten bombardiert er mit 100 Schaubildern. Sie zeigen, dass es nach einer zweijährigen Durststrecke erst richtig losgehen wird. „Wir können das jetzt gern 90 Minuten diskutieren“, lädt er mit seiner leichten Arroganz ein. „Oh no“, stöhnt ein Journalist auf.

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