Der Telekom-Chef steht stark unter Druck
Die Einsamkeit des René O.

René Obermann geht als Chef der Deutschen Telekom schweren Zeiten entgegen. Am Sonntag hat sich der Telekom-Aufsichtsrat in einer wichtigen Personal-Entscheidung gegen seinen Kandidaten entschieden. Es wird immer fraglicher, ob er das Aufsichtsgremium noch hinter sich wissen kann.

DÜSSELDORF. Als es 2007 darum ging, den Personalvorstand Thomas Sattelberger zu installieren, sperrten sich die Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat. Erst die Doppelstimme des Vorsitzenden Klaus Zumwinkel brachte Obermanns Kandidaten durch.

Doch Zumwinkel ist weg – verschwunden irgendwo im Nebel von Steuerbetrug und Datenskandal. Ohne ihn, so zeigt sich jetzt, hat es Obermann wesentlich schwerer. Der Mann, der bei seinem Amtsantritt als entscheidungsstark beschrieben wurde, lief in dieser Woche gegen die Wand. Und die Wand gab nicht nach.

Ausgerechnet seinen Chefjustiziar Manfred Balz wollte Obermann zum Vorstand für Datenschutz machen. Die Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat reagierten fassungslos. Die Deutsche Telekom taumelt seit Monaten von einem Datenskandal zum nächsten. Und nun soll Balz, der intern nicht eben als Aufklärer, sondern vor allem als Vertrauter des Chefs gilt, als Lösung her? Nicht mit den Stimmen der Arbeitnehmer.

Und auch nicht gegen sie, entschied der neue Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner. Der Chefkontrolleur ließ die Vorstandsentscheidung bis auf weiteres vertagen. Bis vorgestern galt Obermann nur als Erbe der Telekom-Probleme. Aber wenn er sie nicht lösen kann, steht er wohl selbst bald infrage.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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