Der über den Fall richten wird
Richter Drees: Das Phantom im Mannesmann-Prozess

Er ist das wohl bestgehütete Geheimnis des Düsseldorfer Landgerichts. Keine persönlichen Angaben, keinen Kurzlebenslauf, nicht einmal ein Foto will die Justiz der Rheinmetropole rausrücken. Als gäbe es den sagenumwobenen Umhang wirklich, der unsichtbar macht.

DÜSSELDORF. Doch der Versuch, einen Mantel des Schweigens über Stefan Drees zu legen, ist so verständlich wie zum Scheitern verurteilt. Die Presse ist bereits auf seinen Spuren – und spätestens Mitte des Jahres wird er sich dem grellen Licht der Öffentlichkeit stellen müssen. Dann beginnt vor der 10. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses. Drees wird ihn leiten.

Wer ist das Phantom, der Richter, der das wahrscheinlich größte Wirtschaftsstrafverfahren der deutschen Justizgeschichte zu einem Ende führen soll, einem Ende, das je nach Urteil erneut Staatsanwaltschaft oder Verteidigung zur Revision animieren könnte? Ein Verfahren, in dem es um umstrittene Millionenzahlungen an Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser geht.

Stefan Drees ist ein zumindest überregional noch unbeschriebenes Blatt. Und wenn es nach der Pressestelle des Gerichts geht, soll das auch noch eine Weile so bleiben. „Noch ist die Sache nicht offiziell bei uns, und vorher gibt es keine Informationen über ihn“, sagt ein Sprecher.

Dass die Justiz aber völlig undurchlässig wäre, ist nichts als ein frommer Wunsch. Es gibt Menschen, die Drees kennen und sich zu ihm äußern – wenngleich hinter vorgehaltener Hand. Sie sagen: Er ist ein erfahrener Strafrichter, einer, dem man kein X für ein U vormachen kann. Zügig, stringent und uneitel sei seine Arbeitsweise. Anwälte finden dagegen weniger Lob für den Mann, der vor dem bedeutendsten Prozess seiner Laufbahn steht. „Er gilt nicht gerade als souveräner Verhandlungsführer und geschliffener Dogmatiker“, sagt ein Düsseldorfer Strafverteidiger. Und ein anderer: „Mit einem so komplizierten Verfahren wird er Schwierigkeiten haben.“

Seinen Richterkollegen nötigt der dunkelhaarige Schnauzbartträger dagegen Respekt ab – auch wegen seines Alters. 44 Jahre sind jung für einen, der eine Große Strafkammer sein Eigen nennt. „Sehr dienstjung“, salutiert ein Richter. Das lässt Aufsteigerqualitäten vermuten, denn Karriere in der Justiz ist noch immer zuerst von guten Noten abhängig – in den Examina und später bei der dienstlichen Beurteilung.

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