Der ungewöhnliche Weg von DeWayne McKinney
Vom Knastbruder zum Geldautomatenkönig

Wenn DeWayne McKinney morgens aufwacht, schweift sein Blick über den weißen Strand von Honolulu. Die Wellen plätschern gegen seinen Bootsanleger, der Duft von frischem Kaffee durchzieht die Villa des 44-Jährigen. „Ich bin happy, mein Leben ist friedlich“, sagt der gebürtige Kalifornier heute.

HB HONOLULU. Das war nicht immer so. 18 Jahre lang blickte er als Häftling Nummer A 1954 auf kalte Gefängniswände. 18 Jahre lang verbrachte er als unschuldig Verurteilter in einem Hochsicherheitstrakt von San Quentin. 18 Jahre lang war McKinney gebrandmarkt als Mörder.

Vier Augenzeugen wollten im Jahre 1980 gesehen haben, wie der damals 20-Jährige eine Burger-King-Filiale überfallen und den Geschäftsführer kaltblütig in den Hinterkopf geschossen hatte. Die Staatanwaltschaft forderte die Todesstrafe. Ein Richter zeigte Milde und verurteilte McKinney zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Aus, vorbei. „Mein Leben war für mich mit dem Urteil beendet“, sagt er. Es folgen mehrere Selbstmordversuche, eine Tuberkulose-Infektion, zwei Messerangriffe von Mithäftlingen. Später der Wandel: die Bibel, Gott, tiefes Vertrauen in seinen neu gewonnenen Glauben. McKinney holt seinen Highschoolabschluss nach, liest Managementbücher: „Und meine Gebete wurden erhört.“

Vier Mithäftlinge geben 1998 zu, dass sie beim Überfall beteiligt waren. Nicht McKinney, sondern ein noch immer flüchtiger Komplize habe geschossen. Vier Wochen später ist McKinney frei. Nur mit den Kleidern am Leib, steht der Befreite auf einmal als unschuldiger Mann auf der Straße.

Das System hat ihn darauf nicht vorbereitet. Als „Lebenslanger“ sah seine Zeit in Haft keine Berufsausbildung vor. „Warum auch?“ sagt er mit leichter Selbstironie. Ein Anwalt findet ihn in einem Obdachlosenasyl und überredet ihn zur Klage. 1,7 Millionen Dollar Schadensersatz bekommt er schließlich vom Staat Kalifornien, eine Million davon bleibt ihm nach Abzug der Anwaltskosten. „Genug Geld, um ein ruhiges Leben zu verbringen“, erzählt der plötzliche Millionär. Aber McKinney will nicht den Fehler begehen, den viele „Lottogewinner machen“, will sein Geld „geschickt investieren, um davon auch noch in ein paar Jahren gut leben zu können“.

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