Management
Des Kaisers Organisator

Wenn die Mannen von Rudi Völler heute Abend gegen Tschechien die Grenzen ihrer Möglichkeiten testen, dann richtet einer den Blick auf die Kleinigkeiten jenseits des Rasens. Kennt der Taxifahrer den Weg? Ist das Bier für die Fans bezahlbar? Fühlen sich die Promis wohl?

FRANKFURT/M. Wolfgang Niersbach studiert akribisch die Maschinerie der Europameisterschaft. Denn das Fußballturnier in Portugal, da ist sich der Sportfunktionär sicher, ist die Generalprobe für das Ereignis, das alles in den Schatten stellen soll: Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Franz Beckenbauer, die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, hat die WM zwar nach Deutschland geholt und ist offizieller Chef des Unternehmens 2006. Aber Niersbach ist der Macher, der Mann, der im Hintergrund mit DFB-Urgestein Horst R. Schmidt das Großereignis organisiert, dass „wir die nächsten 50 Jahre in Deutschland nicht mehr bekommen werden“. Kein anderes Thema begeistere die Menschen so sehr, wie diese Weltmeisterschaft, schwärmt Niersbach und kann seine eigene Vorfreude kaum verbergen. Der Zuhörer ahnt: Der Mann hat seine Mission verstanden.

Wenn der gebürtige Düsseldorfer über 2006 redet, dann schlägt seine zurückhaltende Art schnell in Begeisterung um. Dann klingt der Rheinländer durch. Der 54-Jährige ist in Sachen Fußball Überzeugungstäter. Niersbach kennt das bisweilen bizarre Geflecht jenseits der Grasnarbe genau. Der gelernte Journalist übernahm schon mit 26 die Verantwortung für den Bereich Fußball beim Düsseldorfer Sportinformationsdienst. Als Pressechef bei der Europameisterschaft 1988 empfahl er sich für den Job als Mediendirektor beim Deutschen Fußballbund.

„Ruhig und besonnen“ beschreibt ein langjähriger Mitarbeiter seine Art. In Stresssituationen sei Niersbach als Krisenmanager stets zu Höchstform aufgelaufen. Und da musste er so manchen Brand im Blätterwald löschen: Der Rausschmiss der Bundestrainer Berti Vogts und Erich Ribbeck, das Schlagzeilen trächtige Kokaingeständnis des Beinahe-Teamchefs Christoph Daum.

Seine höchste Weihe erfuhr Niersbach aber während der Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Als Pressesprecher des bisweilen eigenwillig agierenden Teamchefs Franz Beckenbauer, lieferte er eloquente Erklärungen für die kaiserlichen Einlassungen. Die Spieler lernten ihn als väterlichen Freund kennen. Noch heute rufen ihn ehemalige Nationalspieler an, wenn mehr als nur der Fußballschuh drückt.

Deutschland wurde damals Weltmeister, Beckenbauer und Niersbach Freunde. Später tourten beide bis in den „letzten Winkel dieser Erde“, um für Deutschland als Ausrichtungsort der Fußballweltmeisterschaft zu werben. So war es denn kein Wunder, dass Beckenbauer bei der Besetzung des wichtigen Postens des Vizechefs beim Organisationskomitee auf seinen treuen Weggefährten zurückgriff.

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