Detlef Wetzel und die IG Metall
Wo Feinsinn mehr zählt als Härte

Detlef Wetzel, der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef, steigt in die Führungsspitze der Gewerkschaft auf – er ist dabei ein Mann mit unkonventionellen Ideen.

KÖLN/DÜSSELDORF. Er strafft sich, ballt die Faust und härtet die Wangenmuskeln. Dann greift Detlef Wetzel zum Mikro. Blechern scheppert die Stimme des nordrhein-westfälischen IG-Metall-Chefs über das Gelände der Kölner Ford-Werke: "Die Politiker haben doch völlig den Bezug zum richtigen Leben verloren, wenn sie die Rente mit 67 fordern", sagt sie. Sie redet davon, dass Widerstand jetzt Pflicht sei. Sie ruft in die Menge: "Wir wollen doch gesund in Rente gehen. Wer das nicht versteht, der gehört nicht ins Parlament." Beifall. Danke, Gewerkschaftsführer.

Detlef Wetzel gibt an diesem kalten Morgen Anfang dieses Jahres den kernigen Arbeiter-Agitator. Die Mimik wechselt zwischen sympathieheischendem Lächeln und grimmiger Entschlossenheit. Er sagt, was die Massen hören wollen. Er gibt plumpe Parolen von sich, spielt mit bei den althergebrachten gewerkschaftlichen Ritualen.

Dabei steht der Mann eigentlich seit Jahren für etwas anderes: für moderne und unkonventionelle Ansätze in seinem Gewerbe, für individuelle und pragmatische Lösungen, für eine Abkehr von einem zentral organisierten Konfrontationskurs der Gewerkschaften gegen das Kapital. Und dieser Mann mimt jetzt und hier den unnachgiebigen Arbeiterführer.

Wie passt das zusammen? "Er ist stets Realo genug", sagt ein ehemaliger Weggefährte, "und weiß, was man von ihm erwartet." Bereits seit gut zwei Jahren wird Detlef Wetzel für ein Spitzenamt in der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt gehandelt. "Und dafür reichen unorthodoxe Ideen nicht aus. Man muss gelegentlich auch den Spagat zwischen Tradition und Moderne hinbekommen", heißt es aus Wetzels Umfeld.

Das hat er offenbar geschafft. Denn jetzt steht der Karriereschritt, über den schon lange spekuliert wurde, tatsächlich kurz bevor: Detlef Wetzel wird Zweiter Vorsitzender. Darauf hat sich der Vorstand der IG Metall gestern geeinigt. Die Wahl steht im November an, beim Gewerkschaftstag in Leipzig. Dort soll auch Berthold Huber zum Ersten Vorsitzenden gekürt werden.

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