Detthold Aden
Über kleine Schummeleien

Detthold Aden, Chef der Bremer BLG Logistics Group, hat Napoleon zum Vorbild. Am Samstag präsentiert er seine neuesten „Feldzüge“.

DÜSSELDORF. Spöttische Bemerkungen von Bremer Taxifahrern muss sich Detthold Aden nicht mehr anhören. Dirigierte der Chef der BLG Logistics Group doch eine ganze Zeit lang die Frachten dieser Welt von einer getürkten Adresse aus, dem Präsident-Kennedy-Platz 1a. Besucher wurden dann gelegentlich von Taxifahrern aufgeklärt: Nein, Kohlhökerstraße – so laute die korrekte Adresse von Bremens größtem Unternehmen.

Ungeniert bestätigt BLG-Chef Aden die kleine Schummelei: „Keiner unserer ausländischen Kunden konnte etwas mit Kohlhökerstraße anfangen. Da klingt Präsident Kennedy-Platz 1a einfach besser.“ So wurde mit Hilfe guter Freunde in der Politik, die auch zufällig in Beiräten der städtischen Tochter BLG sitzen, der Platz einfach ein wenig zu Lasten der Straße verlängert. Ein wenig die Wahrheit zurechtrücken – das muss Aden, der kleine gedrungene Mann mit der Vorliebe für Nadelstreifenanzüge, heute nicht mehr: Er hat aus dem 1877 gegründeten Traditionsunternehmen Bremer Lagerhausgesellschaft einen weltweit tätigen Logistikkonzern gezimmert – die BLG Logistics Group. Mit wachsender Größe ist das Unternehmen ein Haus weitergezogen. Heute lautet die Adresse Kennedy-Platz 1.

Der Logistikkonzern ist auf umgebremstem Wachstumskurs, was Aden morgen auf der Jahrespressekonferenz wieder einmal belegen will. Erzielte das Unternehmen im Jahr 2003 einen Gewinn von 15 Mill. Euro (Umsatz von 566 Mill. Euro), erreichte es im vergangenen Jahr ein Ergebnis vor Steuern von 55 Mill. Euro (Umsatz von 760 Mill. Euro). Bis 2012 sollen Umsatz und Ergebnis verdoppelt werden.

Schon heute zählt der BLG Standort Bremerhaven mit einem Umschlag von jährlich 1,85 Millionen Autos zu den größten Autohäfen der Welt. In einem eigenen Technikzentrum werden die Importfahrzeuge umgerüstet. Unternehmen wie der Kaffeeröster Tchibo lassen ihre Logistik von der BLG in Bremen über das größte Hochregallager Europas steuern. Kein Wunder, dass Adens Fazit zur Globalisierung positiv ausfällt: „Ihr Siegeszug ist ein Segen für die Weltwirtschaft.“

Siegreich war Aden auch in Wilhelmshaven. Über die BLG-Tochter Eurogate, eine gemeinsame Tochter mit der Hamburger Containergesellschaft Eurokai, hat er die Ausschreibung zum Betrieb des ersten Tiefwasserhafens Deutschlands gewonnen. Ein Bieterkonsortium unter Führung der Rhenus-Gruppe mit Sitz in Nordrhein-Westfalen wurde ausgestochen.

Der Baubeginn für den eine Milliarde Euro teuren Jade-Weser-Port, der der Region 3 000 neue Arbeitsplätze bringt, ist für Mitte des kommenden Jahres geplant. Schon bald sollen dort die ersten Riesen-Containerschiffe anlegen. Wenn sich der Bau nicht verzögert, soll der Hafen im Jahr 2016 fertig werden. Doch die Auftragsvergabe an Deutschlands größten Baukonzern Hochtief soll juristisch noch einmal unter die Lupe genommen werden. Das unterlegene Baukonsortium um die Papenburger Baufirma Bunte hat ein Nachprüfungsverfahren beantragt, da sie ein um etwa 50 Mill. Euro günstigeres Angebot abgegeben hatte. Aden hingegen hat den Zuschlag für den Betrieb des Hafens bereits in der Tasche.

Wer sich im Büro des BLG-Chefs umsieht, errät schnell, mit wem sich Aden nicht eben unbescheiden gerne misst. In seinen Büroräumen steht eine Büste Napoleons, was für das große Selbstbewusstsein des körperlich eher kleinen Strategen steht. Aden liebt es mitzubestimmen. So wissen seine Biografen immerhin über 17 Mandate in Verbänden, Ausschüssen der Wirtschaft und Aufsichtsräten zu berichten, die er derzeit innehat.

„Ich habe nicht nur die gleiche Konfektionsgröße wie Napoleon, auch in unserer Branche ist man immer auf dem Feldzug“, sagt Aden und schielt dabei nach Hamburg. Dort an der Elbe sitzt der große Rivale im Hafen- und Containergeschäft. Nicht von ungefähr kreisen Adens Lieblingswitze – bei Branchenexperten ist er als Witzeerzähler gefürchtet – derzeit um ein Thema: In Hamburg steht die Hafengesellschaft HHLA zumindest teilweise zum Verkauf. Der BLG-Chef hatte sich um eine Beteiligung beworben, erlebte aber sein Waterloo, blitzte beim Hamburger Senat ab. Der will die HHLA nun an die Börse bringen.

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