Deutsche Bahn
Diethelm Sack: Unverzichtbares Urgestein

Kaum jemand kennt den Bahn-Konzern so gut wie dessen Finanzvorstand Diethelm Sack. Nüchtern und sachlich verschafft er den großen Ideen seiner Vorstandschefs die solide Basis. Das weiß auch sein neuer Boss Rüdiger Grube zu schätzen. Ein Porträt.

FRANKFURT. Als Rüdiger Grube, seit 112 Tagen Bahn-Chef, den Bankett-Saal im Frankfurter Westin Grand-Hotel mit einem energisch-fröhlichen „Guten Morgen“ betritt, ist Diethelm Sack schon da – auf seinem Platz am Podium. Für die Journalisten, die auf die Halbjahres-Bilanz der Deutschen Bahn warten, bleibt er allerdings verborgen hinter der Meute der Kameraleute und Fotografen. Auch die sehen ihn nicht, sehen nur Grube.

Als dieser auf dem Podium verharrt und nach Fotografen-Wunsch mal nach links, mal nach rechts blickt, stellt sich Sack neben ihn. Der seit 18 Jahren amtierende Finanzvorstand überragt seinen neuen Chef deutlich. Ein leichtes, verinnerlichtes, fast schon abgeklärtes Lächeln umspielt seine Züge – kennt er doch diese Szene: aus der Ära Mehdorn, der Ära Ludewig, der Ära Dürr ...

In diesem Augenblick ist Sack wieder in der Rolle, die ihm in all den Jahren auf den Leib geschrieben schien: der zurückhaltende Manager, der den Glanz der ersten Reihe gerne anderen überlässt. Der Mann der Zahlen, der den großen Ideen seiner Vorstandschefs die solide Basis gibt.

Vielleicht aber galt das versonnene Lächeln auch nur dem Blick zurück – um ein Jahr, an denselben Ort. Damals saß er hier mit Duzfreund Hartmut zur Präsentation der Halbjahreszahlen, und die Welt schien damals mehr als in Ordnung. Die Politik hatte die Teil-Privatisierung der Staatsbahn per Börsengang nach langem Hin und Her abgesegnet. Intern war die Abspaltung der DB Mobility als Börsenkandidat durchgerechnet und durchorganisiert. Und Sack und der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn reisten um die Welt, um für ihr im knochenharten Sanierungsritt attraktiv gemachtes Unternehmen kapitalkräftige Investoren zu finden.

Der Finanzchef, der in den nervtötenden Auseinandersetzungen sichtlich an Falten gewonnen und Haare verloren hat, war nach Jahren des verbissenen Ackerns plötzlich ein ganz anderer Mensch geworden. Nur die Perspektive auf den Börsengang lässt ab und zu noch seinen Humor aufblitzen. Doch dann kommt es knüppeldick: Die Finanzkrise stoppt den Börsengang der Bahn in allerletzter Minute. Die Wirtschaftskrise trifft den gerade international gewordenen Bahn-Konzern massiv im Transport- und Logistikgeschäft. Und noch die leidige Datenschutzaffäre: Zwar hat Sack nie im Visier der Aufklärer gestanden, doch er muss mitansehen, dass Mehdorn politisch nicht mehr zu halten war.

Der Lauf der Dinge wollte es, dass es ausgerechnet ein Finanztermin war, an dem Mehdorn seinen Rücktritt erklärte: die Bilanz-Pressekonferenz im März. Die guten Zahlen, die Sack dort präsentierte, wird der 61-Jährige vermutlich in seiner verbleibenden Amtszeit nicht mehr überbieten können. Persönliche Tragik: Das Lebenswerk Bahn wird für ihn, der als junger Manager schon die VDO an die Börse gebracht hat, kaum noch zu vollenden sein.

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