Deutsche Bank
Ackermanns holpriger Abgang

Josef Ackermann zieht sich langsam zurück, seine Auftritte werden seltener. Doch der Stabwechsel zu seinen Nachfolgern verläuft mehr schlecht als recht.
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FrankfurtEigentlich hatte Josef Ackermann einen ruhigen Abgang geplant. Nur wenige öffentliche Auftritte als scheidender Chef der Deutschen Bank waren vorgesehen - wie Mitte Februar bei der Erweiterung des Städel-Museums in Frankfurt. In seinem Kalender stehen nur noch harmlose Termine, niveauvolles Repräsentieren. Nächsten Samstag etwa wird Ackermann in Bern den "Deutsch-Schweizerischen Kulturpreis" im Konzerthaus "Casino" entgegennehmen. Doch das Drehbuch für den geordneten Abschied des Schweizers bis Ende Mai ist das eine, die Realität eine andere. Seine beiden Nachfolger, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, sind schon vor Amtsantritt aktiv geworden. So trafen sie in der vergangenen Woche gemeinsam mit Aufsichtsratschef Clemens Börsig erste Personalentscheidungen: Die beiden Vorstände Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti sollen von heute auf morgen ausscheiden.

Und damit nicht genug. Diese Personalien sollten geheim bleiben, und erst nach der Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag verkündet werden. Doch das gelang nicht. Sie wurden durch Indiskretionen publik. Über diesen Vertrauensbruch ist Ackermann verstimmt. So hat er sich seinen Abgang nicht vorgestellt. Während Ackermann noch in den USA bei Kunden wie dem Finanzinvestor Blackstone neue Geschäfte anbahnte, gelangte der komplette Umbau von Vorstand und dem erweiterten Führungszirkel - dem Group Executive Committee - an die Öffentlichkeit.

Zwölf neue Namen wurden bisher schon vorab bekannt - sehr zun Unmut von Ackermann, der jetzt Gefahr läuft, die letzten Tage seiner Karriere als "lame duck" absolvieren zu müssen. Als einer, der nichts mehr bewegen kann und nichts mehr zu sagen hat. Das will er sich nicht bieten lassen. Heute, bei der regelmäßigen Vorstandssitzung, werde das Thema auf den Tisch kommen, so ein Insider. Zwar wolle Ackermann Jain und Fitschen "freie Bahn lassen", schließlich müssten sie das volle Geschäftsjahr 2012 verantworten. Aber die Übergabe müsse geregelt laufen und gut kommuniziert werden.

Kommentare zu " Deutsche Bank: Ackermanns holpriger Abgang"

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  • Ackermann dürfte wohl als der unrühllichste Vorstand in die bisherige Geschichte eingegangen sein. Auch ein Zeichen für den schwachen Aufsichtsrat und die schwache Politik in Deutschland.

  • Ist doch klar, was der komische Computerinder und seine Zockerbrüder aus London, denen er jetzt schon in den Sattel hilft, aus der Bank machen werden. Anstand, Geradlinigkeit und Vertrauenswürdigkeit ist für die doch ein Fremdwort.
    Das "Deutsche" sollte man konsequenterweise aus dem Namen steichen. Lehman reloaded. Ich gebe der Bank noch 2 Jahre, dann haben es alle anderen Kunden auch kapiert, was da abgeht.

  • Das HB regt sich da offensichtlich mehr auf als Herr Ackermann.

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