Deutsche-Bank-Chef
Anklage gegen Jürgen Fitschen im Fall Kirch

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen muss laut einem Medienbericht offenbar wegen versuchtem Prozessbetrug im Fall Kirch vor Gericht. Unter den fünf Angeklagten sind auch weitere ehemalige Führungskräfte der Bank.
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MünchenDie Münchner Staatsanwaltschaft hat nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagsausgabe) gegen Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, und vier seiner Ex-Vorstandskollegen Anklage wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch erhoben. Die Behörden bestätigen das noch nicht offiziell, da die Anklage den Betroffenen bislang nicht zugestellt ist. Beschuldigt werden auch Fitschens Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie Clemens Börsig, früher Vorstand und Aufsichtsratschef der Bank, und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie sollen versucht haben, bei dem vom inzwischen verstorbenen Medienmagnaten Leo Kirch gegen die Deutsche Bank angestrengten Schadenersatzprozess die Justiz zu täuschen.

Alle Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Fitschen sagt seit Langem, er habe „weder gelogen, noch betrogen“. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen weniger schwer als bei seinen Mitangeklagten. Fitschen soll Anwälte der Bank nicht davon abgehalten haben, im Fall Kirch falsch bei Gericht vorzutragen. Vor der Anklageerhebung hatte das bayerisches Justizministerium den Entwurf auf dem Tisch gehabt, aber offenbar keine Einwände erhoben. Die fünfte Strafkammer am Landgericht unter Vorsitz von Peter Noll muss nun prüfen, ob es zum Prozess kommt, und falls ja, gegen wen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft erklärte am Montag auf Anfrage der SZ, das Ermittlungsverfahren sei abgeschlossen. „Erst wenn die Betroffenen über das Ergebnis informiert sind, können wir uns äußern.“ Ähnlich äußerte sich auch eine Sprecherin des Landgerichts am Montag. Man könne in dieser Angelegenheit keine Stellung nehmen, bevor eine „etwaige Anklage“ den Betroffenen zugestellt sei. Vergangene Woche hatte die Sprecherin aber bereits öffentlich mitgeteilt, „wir rechnen damit, dass die Anklage noch im August bei Gericht eingeht“.

Fitschen hatte vor einigen Monaten das Angebot der Münchner Staatsanwaltschaft abgelehnt, 500000 Euro Bußgeld wegen Verletzung seiner internen Aufsichtspflichten zu zahlen. Damit wäre das Verfahren gegen ihn ohne Anklage beendet gewesen. Anschließend hätte für Fitschen aber die Gefahr bestanden, dass die Bankenaufsicht Bafin gegen ihn vorgeht.

Schlechter als für Fitschen sieht es für Ackermann, Breuer, Börsig und von Heydebreck aus. Sie sollen, im Gegensatz zu Fitschen, als Zeugen bei Gericht versucht haben, die Justiz hinters Licht zu führen. In Kreisen von Verfahrensbeteiligten wird davon ausgegangen, dass es zumindest zu einem Prozess gegen Breuer kommt. Er gilt als Hauptbeschuldigter.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Chef: Anklage gegen Jürgen Fitschen im Fall Kirch"

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  • Es ist schon lange überfällig, daß die vermeintlich unangreifbaren Vorstände & Aufsichtsräte der Deutschen Bank persönlich zur Verantwortung gezogen werden. Kirch ist nicht der einzige, aber der spektakulärste Fall.


  • Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die Deutsche Bank und insbesondere gegen Herrn Ackermann muss daran erinnert werden, dass es gar nicht so lange her ist, dass die Bundeskanzlerin Herrn J. A. ein Riesenfest im Kanzleramt ausgerichtet hat - eine Geste höchster Wertschätzung.
    Auch damals gingen Kenner der Finanz-Szene davon aus, dass diese Bank eine Menge "Dreck am Stecken" habe.
    Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn immer mehr Leute den Eindruck gewinnen, die Spezies Politiker seien bestenfalls Lakaien der wirklich herrschenden Wenigen.

  • Kann es strafbar sein, wenn Darstellungen so aufgetischt werden, wie sie sich zugetragen haben könnten? Wenn deshalb ein Zeuge unter Druck kommt, was passiert dann mit den vielen Richtern, die sich genau so verhalten? Wie sieht es mit deren Tatbestandsbeschreibungen aus, die sie auch noch "im Namen des Volkes" überschreiben. Richtig wäre doch "im Namen der Schwiegermutter".

    Um keinen falschen Eindruck zu hinterlassen:
    Ich halte es für unumgänglich nur Wahrheiten vor Gericht zuzulassen. Aber dieses Ansinnen muss auch für Richter gelten. Möglicherweise haben wir dann nächste Woche kaum noch Richter!

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