Deutsche Bank
Finanzkrise wird zur Gefahr für Jains Karriere

Nach einem neuen Untersuchungsbericht zur Finanzkrise wartet die Deutsche Bank auf eine Vorladung der Staatsanwaltschaft. Für die Karriere des Star-Investmentbankers Anshu Jain könnte das den Ruin bedeuten.
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New York/FrankfurtLange sah sich die Deutsche Bank und ihr Investment-Banking in den USA als Gewinner der Finanzkrise. „Wir haben eine weiße Weste und kein Geld vom Staat genommen, das hilft uns jetzt nach der Krise“, bekam nahezu jeder zu hören, der sich in den vergangenen gut zwei Jahren an der noblen Adresse 60 Wall Street mit dem Topmanagement traf. Auf einer Welle der Sympathie wollte man an den anderen großen Investmentbanken vorbeisurfen.

Und in der Tat: Weil sich Wettbewerber wie Lehman Brothers und Bear Stearns selbst erledigt hatten und der Wall-Street-Primus Goldman Sachs unter dem Image des Oberbösewichts der Finanzkrise litt, zogen die Deutschbanker eine Reihe lukrativer Deals an Land.

So betraute etwa der in der Krise verstaatlichte Versicherungskonzern AIG die Frankfurter mit der Platzierung ihrer Asientochter AIA am Kapitalmarkt. Endlich, so schien es, war die Deutsche Bank, die sich 1998 mit dem Kauf von Bankers Trust an die Wall Street gewagt hatte, richtig in der US-Finanzszene angekommen.

Doch die Erfolgswelle könnte schneller verebben, als es der Deutschen Bank lieb ist: Statt Sympathiebekundungen sieht sich die Bank einer wachsenden Zahl von Klagen gegenüber. Zunächst waren es nur ein paar Kommunen, die wegen der Verstrickung der Bank in den Subprime-Sumpf vor Gericht zogen. Doch kürzlich erhob das mächtige US-Justizministerium Milliardenklage wegen erschlichener Hypothekengarantien.

Und es könnte noch schlimmer kommen: Ein Untersuchungsbericht des Senats erhebt die Deutsche Bank faktisch auf die gleiche Stufe wie Goldman Sachs, den Lieblingsschuldigen der US-Politik für die gesamte Finanzkrise. „Der Senatsreport ist eine kristallklare Anleitung für Strafverfolgungsbehörden, wie man gegenüber den Banken vorgehen muss“, sagte Andrew Stoltman, prominenter Anwalt für Wirtschaftskriminalität aus Chicago.

Und diese Anleitung scheint der Manhattaner Staatsanwalt Cyrrus Vance nun abzuarbeiten. Vergangene Woche erging eine Vorladung (Subpeona) an Goldman Sachs. Nun zittert man bei der Deutschen Bank, die nächste Vorladung aus dem Hause Vance könnte bei ihr eintrudeln. Experten sind sich ziemlich sicher, dass das auch passieren wird. „Die Deutsche Bank ist als Nächste dran, wenn sie nicht schon eine erhalten hat“, sagte Stoltman. Angesichts der Prominenz, mit der das Institut in dem Senatsreport vorgekommen sei, wäre er geschockt, wenn es anders käme.

Die Deutsche Bank wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob sie bereits eine Vorladung erhalten habe. In Finanzkreisen hieß es jedoch, dies sei bislang nicht der Fall.

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  • Ein seltsamer Artikel: keine Nachrichten, Fakten, nur Mutmassungen und Stimmungsmache. Soll hier ein aussichtsreicher Kandidat beschädigt werden?

  • der beste chef und mentor den ich jemals hatte. ich hab dir sehr viel zu verdanken.
    anshu, you`re the best in this hard business these times.

  • Mein Tipp für den Ackermann-Nachfolger ist und bleibt der werte Herr Achleitner. Als ehemaliger Head of GS Deutschland wird er den Ibankern in London gut zuvermitteln sein und als aktueller CFO der Allianz, der deutschen Sprache mächtig, ist er auch in Deutschland "salonfähig".
    schönes Wochenende

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