Deutsche-Bank-Tochter: SPD-Kenner führt Postbank-Finanzvertrieb

Deutsche-Bank-Tochter
SPD-Kenner führt Postbank-Finanzvertrieb

Harald Christ ist wieder da. Als Schiffsfondsmanager machte er ein Vermögen. Als SPD-Politiker und Banker verlief seine Karriere im Sande. Nun startet er im Vertrieb bei einer Tochter der Deutschen Bank wieder durch.
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DüsseldorfEin Manager mit einer bunten Vergangenheit soll den Finanzvertrieb der Postbank auf Trab bringen. Harald Christ leitet nun rund 3000 Verkäufer, „mobile Berater“ genannt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der Postbank Finanzberatung, Hanno Schädel, verlässt das Unternehmen Ende März. 

Für die Postbank arbeiten rund ein Drittel mehr Verkäufer als etwa für MLP, das gemessen an den Provisionseinnahmen der drittgrößte Finanzvertrieb im Lande ist und vor dem Postbank-Vertrieb liegt. Branchenführer ist mit großem Abstand die DVAG, die Versicherungen für die Generali-Gruppe und Fonds für die Deutsche Bank verkauft. Zweitgrößter Finanzvertrieb ist der vom Versicherer Swiss Life übernommene AWD.

Die Zahl der Postbank-Vermittler klingt mit rund 3000 Personen zwar hoch, doch im Vergleich zu MLP erzielen sie viel mehr Vertretern jedoch deutlich weniger Umsatz, wie sich aus der Rangliste von Cash.online ergibt. MLP hat gut 2000 Berater und nahm damit 2011 fast 500 Millionen Euro ein. Der Postbank-Vertrieb schaffte im gleichen Jahr nur gut die Hälfte: 284 Millionen Euro.

Die Deutsche-Bank-Tochter hat also Aufholbedarf, was der Konzern auch erkannt zu haben scheint. Der künftige Finanzvertrieb-Chef Christ verfügt über große Erfahrung im Vertrieb hat und auch wegen diverser Aktivitäten in der Politik und in Banken wichtige Kontakte in benachbarte Bereiche.

Der aus einer pfälzischen Arbeiterfamilie stammende Schnellaufsteiger kehrt außerdem zu seinen Wurzeln zurück. Er hatte eine Blitzkarriere bei dem Finanzdienstleister BHW, heute Bestandteil der Postbank, und der Deutschen Bank hingelegt. Seit 2002 führte er dann den Hamburger Investmentfonds HCI unter größten geschlossenen deutschen Anlagegesellschaften.

Der Vertriebsprofi vermarktete Schiffsbeteiligungen so geschickt, dass er durch den Verkauf von HCI-Aktien zum Millionär würde. Heute ist die HCI-Aktie allerdings – nach einem gewaltigen Kurseinbruch im Rahmen der Schiffsfondskrise – ein Penny Stock, also eine Aktie, die nur noch wenige Cent wert ist.

Bereits mit 16 Jahren war Christ in die SPD eingetreten. Er war später als Schatzmeister in Hamburg aktiv und wurde zeitweise auch für Ministerämter gehandelt. Die SPD nutzte den Manager vor einigen Jahren insbesondere, um im Mittelstand zu punkten. Persönlich hat sich Christ – ungewöhnlich für einen Manager – offen zu seiner Homosexualität bekannt.

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  • ??
    - Vl. erinnert sich der Handelsblatt-Zensor mal an Eichels öffentliche Promotion der T-Aktie zu Kursen in den 60ern.
    Und vl. erinnert er sich daran, dass die SPD der Finanzvertriebswirtschaft via Riester einen goldenen Boden bereitete, wiewohl deren Probvisionsschinderei damals schon bekannt war.

  • Vor einigen Jahren hatte die PB auch mal Schiff-Fonds im Angebot.
    Aber wenn ich richtig informiert bin, dann verkaufen die so was gar nicht mehr.

  • Huch ... Also ich lese, dass er Aktien an den Markt gebracht hat und dadurch vermögend wurde. Hallo Wolfhase ... Ich glaube, Du glaubst, dass er an Kleinsparer Vorsorgeprodukte verkauft hätte ... Aber ein Börsengang ist doch was ganz anderes, oder ???

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