Deutsche Bank
Tod von Norbert Walter löst Bestürzung aus

Norbert Walter ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Fast 20 Jahre war er Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Meinungsfreudig und streitbar: Der Ökonom war lange Zeit das Gesicht von Deutschlands größtem Finanzinstitut.
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FrankfurtDer langjährige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, ist tot. Nach Angaben seiner Familie starb der 67-Jährige am Freitag. Eine seiner Töchter sagte der Nachrichtenagentur dapd, ihr Vater sei am Morgen gestorben, die Ursache stehe noch nicht fest.

Walter war über viele Jahre das Gesicht der Deutschen Bank. Er scheute sich nicht vor klaren Aussagen – weder in Bezug auf ökonomische Einschätzungen noch zu anderen Themen. Der Wirtschaftswissenschaftler begann seine berufliche Laufbahn 1971 in Kiel. „Das Kieler Institut für Weltwirtschaft, wo ich Walter 1978 kennengelernt habe, hat ihn als marktliberalen Ökonom geprägt“, sagte sein Nachfolger als Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, zu Handelsblatt Online.

Walter trat 1987 in die Volkswirtschaftliche Abteilung der Deutschen Bank ein und nahm dort zunächst Position eines dritten Direktors ein. 1990 stieg er zum Chefvolkswirt auf. Den Posten bekleidete Walter bis zu seinem Ausscheiden Ende 2009.

Walter war stets streitbar. „Norbert Walter hat sich nie gescheut, auch unpopuläre Meinungen zu vertreten“, sagte Mayer. Das hat ihm nicht immer nur Freunde eingebracht – ihn aber zu einer echten Marke gemacht.“ Der Professor sagte als einer der ersten den historischen Konjunktureinbruch in Deutschland 2009 im Gefolge der weltweiten Finanzkrise voraus. In den 1990er-Jahren setzte er sich vehement für eine rasche Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung ein. Damals sagte er unter anderem voraus, dass die Zinsdifferenzen zwischen einzelnen Euro-Staaten bestehen bleiben würden. Doch das erwies sich als Trugschluss und einer der Auslöser der jetzigen Staatsschuldenkrise.

Walter wählte stets markante Formulierungen. Als die Deutsche Bank im April beschloss, unter der neuen Führungsriege die Struktur umzubauen, war er außer sich. Das Research der Deutschen Bank, das Walter aufgebaut hatte, wurde mit der Abteilung Market Research zusammengeschlossen. Walter wetterte: Das passe zu einer Investmentbank, die kein unabhängiges Research haben wolle, sondern nur an Sales Support interessiert sei, sagte er dem Handelsblatt. Deutsche Bank Research brauche einen Denker, sagte er. „Das war ich, das war Mayer – aber das ist Folkerts-Landau (Mayers Nachfolger, Anm. d. Red.) nicht, weil er es nicht sein will.“

„Walter war über viele Jahre das Gesicht der Deutschen Bank“, sagte Mayer. Norbert Walter habe die Position des Chefvolkswirt geprägt wie kein anderer. „Er hat es verstanden, ökonomisch schwierige Zusammenhänge einer breiten Öffentlichkeit zu erklären.“

Dem bekennenden Katholiken Walter waren stets auch Werte und Ethik in der Wirtschaft wichtig. Nach seinem Abschied von der Deutschen Bank setzt sich der umtriebige Vater zweier Töchter freilich nicht zur Ruhe: Er gründet unter anderem mit seinen Töchter eine Beratungsfirma im Taunusort Bad Soden

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  • Das Format dieses Mannes kann eigentlich nur ermessen, wer ihn persönlich erlebt hat. Ich hatte mehrfach die Gelegenheit dazu und kann nur sagen: Klares Denken, klare Worte ohne das Besserwissertum das so häufig Markenzeichen unserer selbsternannten Gurus ist und ein einnehmendes persönliches Auftreten machten Begegnungen mit ihm zu einem bereichernden und überaus angenehmen Ereignis. Sein viel zu früher Tod ist ein grosser Verlust für uns alle, sicher besonders für die, die ihn gekannt haben.
    Mein aufrichtiges Beileid für seine Familie.

  • Ein großer Mensch ist von uns gegangen. Er verkörperte genau das, was von uns heute leider bei Banken vermisst wird: ethisches Gewissen und unternehmerisches Denken.

  • Der Tod von Norbert Walter ist ein enormer Verlust für unser Land. Ich empfinde seinen Tod auch als persönlichen Verlust, auch wenn ich nur aus den Medien kannte. Seit den Ereignissen der Jahre 1989-1990 war er für mich der Mann in Deutschland der Wirtschaftspolitik im allgemeinpolitischen Rahmen erklären konnte. Seine Analysen wurden meist durch die Entwicklung bestätigt. Am meisten jedoch imponierte mir jedoch sein hohes soziales Verantwortungsbewusstsein.

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