Deutsche-Bank-Vorstand wurde ausgespäht
Sparfuchs Lamberti im Fadenkreuz

In der Datenaffäre der Deutschen Bank geriert selbst das Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti ins Fadenkreuz. Die Doppelrolle der Deutschen Bank, die diese bei der versuchten feindliche Übernahme des Berliner Pharmakonzerns Schering durch die Merck-Gruppe spielte, könnte ihm zum Verhängnis geworden sein.

FRANKFURT. Hermann-Josef Lamberti sitzt mit versteinertem Gesicht vor den Aktionären der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle. Keine Emotionen sind von dem Gesicht des Vorstandsmitglieds der blauen Bank abzulesen. Nichts ist von dem Charme zu spüren, den der Rheinland-Pfälzer gerne versprüht. Der 52-Jährige hat einen guten Grund: Die Datenaffäre der Deutschen Bank hat auch ihn eingeholt. Selbst der Vorstand wurde ausgespäht, bespitzelt, berichten Insider.

Nach ersten Untersuchungen soll zwar kein systematisches Fehlverhalten in der Datenaffäre vorliegen. Und Konzernchef Josef Ackermann hat "persönlich alle Schritte für eine rückhaltslose Aufklärung eingeleitet und sich an die Spitze der Aufklärung gesetzt." Doch selbst die angekündigte Null-Toleranzgrenze Ackermanns ändert nichts daran: An den Spitzeleien hat sicherlich auch Vorstand Lamberti zu Kauen, der als Chief Operating Officer weltweit Personal und die Informationstechnologie verantwortet. Irgendwie bleibe immer ein unangenehmes Gefühl hängen, fühle man sich überall beobachtet, beschreibt ein Experte die Gefühlslage.

Mit der in den vergangenen Monaten lange und viel diskutierten Nachfolge von Josef Ackermann, bevor sein Vertrag kürzlich verlängert wurde, können die Spitzeleien nichts zu tun haben. Erstens war Lamberti nie unter den heißen Kandidaten und zweitens liegen die Spähvorwürfe länger zurück. Die Spitzeleien sollen die Jahre 2006 und 2007 betreffen. In diesem Zeitraum fällt die versuchte feindliche Übernahme des Berliner Pharmakonzerns Schering, den sich die Darmstädter Merck-Gruppe einverleiben wollte. Die Deutsche Bank hatte dabei eine Doppelrolle. Das könnte zur geheimen Überprüfung von Lamberti geführt haben, wird in Finanzkreisen vermutet.

Denn der Mann mit den stark ausgeprägten dunklen Augenbrauen saß für die Deutsche Bank seit 2001 im Aufsichtsrat von Schering. Das entwickelte sich zum Problem, denn die Deutsche Bank besaß Anfang 2006 eine herausgehobene Rolle als Kreditgeber und Berater von Merck. Die Darmstädter wollten den Berliner Konzern durch eine feindliche Übernahme schlucken. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, legte Lamberti zwar sein Mandat nieder und hatte bereits vorher an wichtigen Sitzungen von Schering nicht teilgenommen. Letztlich erlitt Merck eine Niederlage und Schering landete beim Weißen Ritter Bayer. Doch Lamberti wurde angesichts der Doppelrolle der Deutschen Bank offenbar heimlich, still und leise unter die Lupe genommen.

Leise sein ist eigentlich nicht Lambertis Metier. Der bei Boppard am Rhein geborene Deutschbanker weiß genau, was er will, und sagt das klar und deutlich. Wenn es sein muss auch laut. Er gehört zu den Freiheitsliebenden. Nicht umsonst steht in seiner Garage im Taunus eine Harley Davidson, mit der der passionierte Motorradfahrer am Wochenende laut röhrend längere Ausflüge macht.

Schwere Zeiten durchlebte er in der Deutschen Bank, als der Banker nach dem Platzen der Internetblase zu den Prügelknaben gehörte, "seit wir in Lichtgeschwindigkeit vom Zeitalter der dot-coms ins Zeitalter der dot-gones gekommen sind", wie er es selbst umschrieb. Gerade der Ausbau des Online-Brokers Maxblue stellte sich als Flop heraus. Und vom Finanzsupermarkt Moneyshelf, wo die Deutsche Bank vor allem mit ihrer Werbekampagne mit Giraffen und Störchen im Liebesspiel von sich Reden machte, spricht heute auch keiner mehr.

Erfolge kann der großgewachsene Banker mit dem graumelierten Haar bei seinem Sparkurs im Bereich der Informationstechnologie (IT) vorweisen, der in der Bankenbranche immer wichtiger wird. Ein Garant für viele weitere Hauptversammlung, dann hoffentlich mit einem Lächeln im Gesicht.

Kurzbiographie

1956: Geburt in Boppard am Rhein.

1982: Abschluss des Betriebswirtschaftsstudiums mit den Schwerpunkten Bankwesen, Wirtschaftsprüfung und Steuerrecht in Köln und Dublin.

1982: Start der beruflichen Laufbahn bei Touche Ross in London. Danach wechselte er zur Chemical Bank nach Frankfurt.

1985: Wechsel zu IBM, wo er verschiedene internationale Führungspositionen bekleidete.

1997: Vorsitz der Geschäftsführung bei IBM Deutschland in Stuttgart.

1999: Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bank, unter anderem weltweit für Personal und Informationstechnologie verantwortlich.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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