Deutsche Fachkräfte

Qualifiziert, attraktiv, gefährdet

Die Attraktivität deutscher Fachkräfte droht der Wirtschaft zum Verhängnis zu werden. Unternehmen aus aller Welt werden zunehmend Topleute hierzulande rekrutieren. Denn sie zählen nach internationaler Einschätzung weltweit zu den Besten.
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Messestand der IAA: Ingenieure gelten als hochqualifiziert und sind abwerbegefährdet. Quelle: ap

Messestand der IAA: Ingenieure gelten als hochqualifiziert und sind abwerbegefährdet.

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. Deutsche Firmen kämpfen gleich an zwei Fronten: Gegen den schrumpfenden Fachkräfte-Nachwuchs im eigenen Land und gegen die Abwerber aus dem Ausland.

Das große Interesse an deutschen Ingenieuren und Technikern zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Befragt wurden weltweit Manager von 1 200 forschungs- und entwicklungsintensiven Unternehmen. Neben den USA und Japan gilt Deutschland danach als eines der führenden Länder in der Pharma- und Biotechnologie, Nanotechnik, Luft- und Raumfahrt sowie in der Informationstechnik und Elektronik.

Beschäftigte aus diesen Branchen seien höchst abwerbegefährdet, stellt die Studie fest. Denn Deutschland sei von den Befragten als eine der Nationen identifiziert, aus der "in naher Zukunft die meisten Talente kommen". China, die USA und Indien liegen zwar in Führung, das ist aber laut E & Y nur auf die größere Bevölkerung in diesen Regionen zurückzuführen. Deutschland führt mit Abstand vor Japan und allen anderen europäischen Ländern.

Schon jetzt fehlen Zehntausende Ingenieure

Verschärft wird der "Brain-Drain", wie E&Y-Partner Peter Englisch es nennt, dadurch, dass deutsche Firmen ihrerseits im Ausland kaum auf Fachkräftesuche gehen. Nur bei jedem vierten deutschen Unternehmen stellen Fachkräfte aus dem Ausland mittlerweile eine wichtige Gruppe unter den Hochqualifizierten dar. Damit liegen deutsche Firmen im internationalen Vergleich im unteren Mittelfeld. Deutlich weltoffener präsentieren sich Unternehmen aus Großbritannien, wo gut drei Viertel ihre ausländischen Spezialisten als "große Gruppe" einstufen, dicht gefolgt von den USA (74 Prozent), Irland (63 Prozent) und Kanada (60 Prozent).

Wenn Deutschland verstärkt Toptalente ans Ausland verliert, im Gegenzug aber kaum ausländische Spezialisten nach Deutschland kommen, sieht Englisch die Gefahr, "dass die Experten-Wanderung zur Einbahnstraße gerät." Der Innovationsstandort Deutschland könnte personell regelrecht ausbluten.

Noch hält nahezu die Hälfte der Befragten in Deutschland die Verfügbarkeit hochqualifizierter Fachkräfte im Inland für gut. Aber knapp zwei Drittel der Manager sehen bereits einen gravierenden Engpass im Bereich der Forschung und Entwicklung, gefolgt von Projektentwicklung und Konstruktion (41 Prozent).

 

Weil den Unternehmen zu Tausenden die Ingenieure fehlen, sieht das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) das Wachstum gefährdet. Im Sommer fehlten 36 800 Ingenieure, berichtete das arbeitgebernahe Institut. Der Ingenieurmangel werde sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. In keinem wichtigen europäischen Industrieland rücken so wenige Ingenieure von der Universität auf den Arbeitsmarkt nach wie in Deutschland. Auf 1 000 erwerbstätige Ingenieure kamen 2007 hierzulande 35 Absolventen. In Frankreich waren es mit 73 mehr als doppelt so viele.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS beispielsweise rechnet mit einem europaweiten Bedarf von 12 000 Luftfahrtingenieuren pro Jahr. Dem stünden auf dem Kontinent insgesamt aber nur etwa 9 000 qualifizierte Absolventen gegenüber. Auf Deutschland entfallen dabei pro Jahr um die 500 bis 600 Nachwuchsakademiker mit Luft- und Raumfahrtstudium.

Speziell kleine und mittlere Firmen haben bereits Schwierigkeiten, Spezialisten zu rekrutieren. So klagen 71 Prozent der Unternehmen mit Umsätzen bis zu 150 Mio. Euro über eine schlechte Verfügbarkeit von Fachkräften, in der Gruppe mit Umsätzen zwischen 150 Mio. und 1,5 Mrd. Euro sind es ebenfalls schon 37 Prozent. "Es gibt zu denken, dass gerade das kreative Mittelfeld - unsere Nischen-Weltmarktführer - vor dem Riesenproblem steht, seine Innovations- und damit Zukunftsfähigkeit in Gestalt von Köpfen langfristig zu erhalten", sagt Englisch. Multinationale Großkonzerne hätten weniger Schwierigkeiten. Sie betreiben das Global Sourcing inzwischen auch für Talente.

Doch selbst wenn deutsche Firmen ihre Talentscouts ins Ausland schicken: Sie stoßen immer mehr auf Widerstand. So machte der indische Industrieminister Anand Sharma gerade erst anlässlich seines Deutschlandbesuchs deutlich: "Indien braucht seine Fachkräfte selbst." Die Regierung hat beschlossen, den Industriesektor kräftig auszubauen und den Anteil am Inlandsprodukt von 16 auf 25 Prozent zu treiben. Der Export gut ausgebildeter Facharbeiter und Ingenieure sei deshalb nicht im Interesse Indiens, sagt Sharma.

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  • Fachkräftemangel ist ein Thema der Zukunft. Diese breittreten in den Medien kann man nicht mehr hören. Wir brauchen zwar Zuwanderung von hochqualifizierten Fachkräften, aber nicht um jeden Preis. Anfänger und sogenannte "Fachkräfte" über 50 haben wir genug und die sind nicht zu gebrauchen. Entweder nicht geformt oder Altmetall.

  • Die großen Konzerne werben in der Presse, dass sie dringend Fachkräfte benötigen und einstellen wollen. Aber wie sieht die Realität aus? ich hatte mein Vorstellungsgespräch bei einem großen Elektronikkonzern in München. Es verlief gut, aber als das Gespräch auf das Gehalt kam, wurden 2 Herren zusätzlich ins Zimmer gerufen mit denen das Gehaltsgespräch geführt wurde. Mit 4 Jahren bE als informatiker war das Startangebot bei 30500,- EUR p.a. brutto. Geeinigt haben wir uns höher. Als der Vertrag jedoch zugeschickt wurde, war dies kein Vertrag des Elektronikkonzerns, sondern eines Personaldienstleisters, der das Personal für den münchner Konzern stellt. Unterschrieben habe ich nicht, ich suche jetzt lieber in der Schweiz.

  • man ist nicht bereit die unheilige allianz zwischen politk und wirtschaft=Rendite ohne ende abzuschwören.Das bewusst von den Volksverrätern in kauf genommen wurde die fachkräfte so behandelt zu haben wie erpressbare willenlose individuen=legebatterie mit der aussicht das huhn was goldene eier legt hat ewig bestand.so sah es aus in der vergangenheit alles wurde in die wege geleitet um dieses ziel zu erreichen,natürlich haben wir nur das wohl unseres volkes im sinn,warum wählen sich diese Damen und Herren nicht ein anderes volk ? dann geht die verarsche noch eine weile,siehe weltweit den aufbruch in den abgang,eines systems was sich durch masslose gier selber ab absurdum geführt hat.nun warten wir auf das reset unausweichlich wird es kommen egal wo man hinschaut,der exportweltmeister DE kann nur mit neuen schulden bezahlt werden

  • Es ist immer noch nicht die grundsätzliche Frage geklärt, Waren es die Deutschen selber oder die besatzungsmächte? z.b. die Franzosen, die Engländer ode gar die Taliban?

    Für mich war es ganz klar: Gut eingebürgerte Deutsche in deutschen Leiharbeitsunternehmen und in hochgeförderten teuer bezahlten Arbeitsverhältnissen nutzen die Situation gegenüber anderen aus und produzieren wieder ihre Leiharbeiter die dann verrecken sollen oder verursachen eben diesen Krieg oder die Abschiebung von gut und von der einfachen bevölkerung gut integrierten Schwarzen ins Ausland.

    Ganz alleine in Deutschland wird sich diese Situation klären, ohne das irgendein Taliban oder sonstwer einen Anschlag in Deutschland verursacht.

  • Deutsche Unternehmen vermitteln ihren Technikern nicht gerade das Gefühl qualifiziert und attraktiv zu sein; "gefährdet" passt schon eher :(

  • Deutsche Arbeitgeber können Dank unbefristeter Zeitarbeit mit Angestellten umspringen wie in der Zeit der industrialisierung. Das wird auch stellenweise in den Kommentaren deutlich. Die Arroganz der Arbeitgeber gegenüber vermeintlich schlechter qualifizierten bewerbern ist unbeschreiblich unverschämt und spiegelt das Selbstverständnis der Unternehmer und deren Personalabteilungen wider: Man will nur die besten 10 Prozent, alle anderen sind quasi nicht tauglich und die Stelle bleibt vakant. im Mittelstand beginnt bereits vereinzelt ein Umdenken.
    Als nächstes sollte man sich die Frage stellen warum viele junge Leute nicht ein technisches Fach studieren.
    Hier haben Kultusminister , Hochschulen und deren Professoren einfach versagt, indem ingenieure ein schlechtes image verpasst wurde und den letzten interessenten durch Prüfungsorgien letztlich der Spass an der Technik vergangen ist.
    Solange noch ausreichend bewerber irgendwoher kamen war den Unternehmern das alles ziemlich gleichgültig.
    Jahrzehnte Später tun alle so als hätten sie wieder von nichts gewusst.
    Doch nun werden ebenfalls jahrzehnte vergehen dieses Problem zu beheben.
    Ausländische Spitzenkräfte werden eh nicht nach Deutschland kommen. in Asien und USa sind Arbeitsbedingungen, Mentalitäten und Einkommen besser.
    Nach Deutschland kommen wie seit jahrzehnten nur schlecht qualifizierte.
    Angesichts der vielfältigen bedrohungen des Wirtschaftsstandorts Deutschland vor allem aus China
    sind hier und sofort Strategien und Konzepte notwendig
    oder D steigt in kürzester Zeit in die 2. Liga ab.
    Die Chinesen warten nicht auf D oder gar Europa.
    Der Wandel muss jedoch in erster Linie von oben nach unten gehen nicht umgekehrt.

  • Wer sich darüber wundert dem ist nicht mehr zu helfen. Als ingenieur kann man hierzulande ja nur noch auswandern wenn man eine Perspektive haben möchte!!!

    ich selber konnte mich trotz 1,5 Abschluss und Zig Praktikas noch mit einem einjährigen Masterstudium eine Schonfrist einräumen... da ich aber wieder am bewerben bin und denselben Mist wieder erlebe schicke ich seit einigen Wochen meine bewerbungen in die Schweiz (und bekomme da wenigstens Antworten).

    Einen Kollegen hatte es allerdings härter getroffen, da er nicht weiterstudieren konnte (finanziell) musste er sich mit (ACHTUNG) 22k abspeißen lassen.

    Und zur Zuwanderung, die Unternehmen glauben ja wohl selbst nicht dass bei unserer Unternehmenskultur ("net gschumpfa isch gnuag globt") und diesen Hungerlöhnen irgend ein qualifizierter hier einwandern wird. Selbst bei einer "Greencard für alle" wird hier alles einwandern - außer Qualifizierte....

    ... so ich schreib nun weiter bewerbungen

  • Paßt doch alles gut zusammen. Das Ausland hat interesse an deutschen Fachkräften und bekommt diese. Die deutsche industrie hat interesse an billigen Fachkräften aus Anatolien und dem nahen Osten, soll sie diese holen. Made in Germany ist dann Geschichte, genau so wie deutsche Fachkräfte in deutschen Firmen. Genau nach Wunsch!

  • Der beitrag nennt zwar einige Fakten aber keine Ursache. Das Problem des Fachkräftemangels ist zum Teil hausgemacht. Jahrelang wurden Fachspezialisten ab Mitte 40 aus den Unternehmen gedrängt. Das gesellschaftliche Signal war verheerend. Nun setzt plötzlich die Erkenntnis ein, dass nicht mehr genug junge Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Konsequenz daraus die älteren ingenieure und Naturwissenschaftler zu reaktivieren bleibt aus. Dabei sind laut von der Leyen nur wenig mehr als 40% aller Erwerbsfähigen ab 60 Jahren versicherungspflichtig beschäftigt. Was macht der Rest?

  • ich kann mich der Frau Steer nur anschließen genau so meine Meinung, in meinem bekantenkreis gibt es einen jungen Dr.der Naturwissenschaften mit 1 Abschluß der sich viel beworben hat auch bei einer in ihrem Artikel genanten Firma er hat nicht einmal eine Atwort bekommen.Er hat jezt einen minderdotieten Job angenommen. Auch er erwägt sich jetzt im Außland zu bewerben

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