Deutsche Gründer in Schanghai
Und alles mit Guanxi

Unter den deutschen Unternehmern, die sich ins Herz des chinesischen Wirtschaftswunders vorgewagt haben, ist der gebürtige Berliner einer der außergewöhnlichen. Christoph Lienke baut keine Armaturen, keine Lampen oder gar Autos. Lienke verkauft Bilder, seine Kunden sind unter anderem Ikea und Philipps.

HB SCHANGHAI. „Was machst du eigentlich hier?“ Es gibt sie noch immer, die Momente des Zweifels, in denen Christoph Lienke durch seine Firma im Herzen von Schanghai läuft, sich seines Tagwerks erinnert und nur der eine Gedanke übrig bleibt. „Unglaublich, wie schnell das alles funktioniert hat.“ Unter den deutschen Unternehmern, die sich ins Herz des chinesischen Wirtschaftswunders vorgewagt haben, ist der gebürtige Berliner einer der außergewöhnlichen.

Lienke baut keine Armaturen, keine Lampen oder gar Autos. Lienke macht in Bildern, in Fotos in rauen Mengen, fast ohne Ende. Oder besser gesagt, er lässt sie machen, von derzeit sechst hauptamtlichen Fotografen in seinen drei Studios, die er mit seiner Firma » Rimagine in Schanghai eingerichtet hat. Lienke ist damit der Mann, der die vielen Dinge, die die Weltfabrik Schanghai heute ausspuckt, ins rechte Bild setzt. „Wir sind eine Fotofabrik“, sagt er.

Zu den Kunden zählen Weltkonzerne wie Ikea, General Electric oder Philips, aber auch italienische Möbelhersteller, deutsche Versandhäuser und seit neuestem Kingfisher, die britische Baumarktkette (B&Q, Obi China). Das heißt für Rimagine und seine Fotografen oft, Tag und Nacht fotografieren. Hunderte Produkte, ein Baumarktsortiment Stück für Stück in Megapixel. Bald werden auch die Kataloge komplett „made in China“ sein.

Die Geschichte dieses Start-ups zeigt im Kleinen der großen Stadt Schanghai, welche Chancen die globale Wirtschaft bietet. Lienke und sein Gründungspartner Lorenz Wagener haben sie einstweilen genutzt. Wie aber kommen zwei noch junge Unternehmer, die, meist ganz schwarz gekleidet, den Habitus der Kreativen pflegen, zu einer „Fotofabrik“ in der Megacity?

Den roten Faden in Christoph Lienkes Biografie findet man nicht auf Anhieb. Sicher ist nur: Ohne den Willen hätte er es nicht geschafft. Nur deshalb ist aus dem Gründer, der durch die New Economy zu Geld gekommen war, im Fernen China noch einmal ein Gründer geworden: „Ich wollte immer Unternehmer sein. Die New Economy hat mir das ermöglicht“, sagt er.

Im Rheinland ist Lienke aufgewachsen, die Bundeswehr bringt ihn nach Bayern. Er wird Gebirgsjäger, wo er sich als Einzelkämpfer durchschlagen muss. Lienke beginnt in München ein Wirtschaftsstudium, Schwerpunkt Marketing. „Da habe ich das gelernt, was sie in China Guanxi nennen: Beziehungen entscheiden.“ Schon während des Studiums arbeitet er für deutsche Plattenfirmen. Doch statt Pop- wird aus Lienke ein Eventmanager. Er lernt 1997 die Münchener Gastronomielegende Michael Käfer kennen, dessen Assistent er wird. Er organisiert After-Show-Partys mit Eros Ramazotti und Geburtstagspartys für Industrielle an der Côte d’Azur.

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