Deutsche Post
Ein harter Ritt

Postchef Frank Appel hat schon einige Bewährungsproben bestanden. Nun startet die härteste: Tarifgespräche mit Verdi. Appel muss die Zukunft der Deutschen Post im Briefgeschäft sichern, Verdi besteht auf wirksame Tarifverträge. Streik ist vorprogrammiert.
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FRANKFURT. Sofort schnellt die rettende Hand nach vorne, kann gerade noch verhindern, dass der Mann so richtig ins Stolpern gerät. In letzter Minute rettet Frank Appel seinen Ziehvater Klaus Zumwinkel in der prall gefüllten Davoser Kongresshalle vor einem peinlichen Auftritt. Dieser wollte über die Lehne kletternd die Sitzreihe wechseln, kam dabei aber mächtig ins Straucheln. Die Symbolkraft der kleinen Szene konnte damals, Ende Januar vergangenen Jahres, wohl keiner erahnen.

Nur wenige Wochen später nimmt Zumwinkel wegen eines privaten „Steuerunfalls“ seinen Hut. Ziehsohn Appel rückt auf. Die Erwartungen sind gigantisch. Zumwinkel hatte einen gnadenlosen Expansionskurs gefahren, dabei einige Baustellen hinterlassen. Die ersten Meisterstücke hat Appel mittlerweile abgeliefert. Die Postbank verkaufte er an die Deutsche Bank. Das Expressgeschäft innerhalb der USA gab er auf. Seit gestern läuft eine weitere Bewährungsprobe, vielleicht die schwerste überhaupt: die Tarifverhandlungen mir der Gewerkschaft Verdi. Die Fronten sind verhärtet. „Ein Streik im November, also mitten in der wichtigen Vorweihnachtszeit, ist sehr wahrscheinlich“, heißt es in der Branche.

Es geht um viel. Appel will und muss die Zukunft der Deutschen Post im wichtigen, weil ertragsstarken Briefgeschäft sichern. Immer weniger Briefe werden verschickt. Die digitale Kommunikation macht sich breit. Statt eines Gewinns von fast zwei Milliarden Euro wie vor zwei Jahren wird in der Briefsparte in diesem Jahr am Ende nur eine Milliarde Euro übrig bleiben. Längst spricht Appel von einer „strukturellen Krise“, ist wie sein Briefvorstand Jürgen Gerdes davon überzeugt, dass das frühere Niveau beim „Sendungsvolumen“ auch nach der Krise nicht mehr erreicht werden kann.

Für Verdi dagegen geht es um die Wirksamkeit von Tarifverträgen. Der erst im vergangenen April geschlossene Vertrag laufe noch bis ins kommende Jahr. Angesichts der Gewinne in der Briefsparte gebe es keinen Grund, diesen vorzeitig zu öffnen. „Für uns geht es um die grundsätzliche Verlässlichkeit von Tarifpartnern“, sagt eine Sprecherin.

Für Appel ein echtes Dilemma. Wenn die Briefsparte, mit einem Ergebnisanteil von weit über zwei Dritteln die „Cash-Cow“ des Logistikkonzerns, in die Bredouille kommt, dann auch die gesamte Gruppe. Doch Stellschrauben, dies zu verhindern, hat der ehemalige McKinsey-Berater kaum. Den Umsatz kann er nicht steigern, auch nicht durch Verdrängung. Die Post ist im deutschen Briefgeschäft mit einem Marktanteil von 90 Prozent bereits der Alleinherrscher. Deshalb wiederum werden auch die Preise reguliert, ist also hier nichts mehr zu holen.

Bleiben die Kosten. Entsprechend sieht der Forderungskatalog von Appel aus. Künftig sollen die Post-Mitarbeiter 40 statt 38,5 Stunden arbeiten, pro Tag wären das 18 Minuten mehr. Zudem soll die im letzten Jahr für Dezember abgesprochene Lohnerhöhung verschoben werden, sollen Berufseinsteiger künftig nur den Mindestlohn von 9,80 Euro (West) beziehungsweise 8,40 Euro (Ost) bekommen.

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