Deutsche Post
Kommt mit Glandt die Gratiszeitung?

Die Deutsche Post gibt ihrer Drohung mit der Gratiszeitung ein Gesicht. Der frühere Zeitungsmanager Lutz Glandt wird zum 1. Oktober im Bonner Konzern Mitglied des zehnköpfigen Bereichsvorstands der deutschen Briefsparte.

DÜSSELDORF. Damit rückt der Medienfachmann, der zuvor zwei Jahre Berater der Post war, in die zweite Führungsebene des Konzerns ein. Glandts Aufstieg im Konzern gilt als Signal für die Verlagsbranche. Sollten die Verleger dem Logistikkonzern bei den Briefdiensten stärker Konkurrenz machen, könnte die Post ihrerseits ins Zeitungsgeschäft einsteigen. Pläne für eine Gratiszeitung sollen bereits in der Schublade liegen. Die Post hat nach Informationen des Handelsblatts dazu Gespräche mit dem norwegischen Medienkonzern Schibsted geführt, der Erfahrungen mit der Herausgabe von Gratiszeitungen besitzt. Ein Post-Sprecher wollte die Pläne weder bestätigen noch dementieren.

Der Widerstand der Zeitungsverleger wird groß sein. WAZ-Chef Bodo Hombach warnte bereits: „Der drohende Verschenkzeitungskrieg wird viele viel Geld kosten. Der Geschenktjournalismus wird Köpfe und Papierkörbe verstopfen.“ Der 51-jährige Glandt leitet künftig den neuen Bereich Presse Services. Damit wird er etwa zehn Prozent des Umsatzes der deutschen Briefsparte verantworten. Er berichtet direkt an Post-Vorstand Jürgen Gerdes.

Glandt war von 2000 bis 2005 Mitglied der Geschäftsführung der Essener WAZ-Gruppe. Zuvor war der Diplom-Volkswirt bei der SPD-nahen „Neuen Westfälischen“ in Bielefeld und Verlagsleiter bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ in Hannover. Zu seinen Stationen gehörte ebenfalls die „Mainpost“ in Würzburg, Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, in der auch das Handelsblatt erscheint.

Die Post bündelt nun erstmals ihr verstreutes Pressegeschäft in einer Hand. Ziel ist es nach eigenen Angaben, angesichts der vollständigen Liberalisierung des Briefmarktes ab 2008 das Geschäft auszubauen und neue Ideen zu entwickeln. Mit dem Werbeprospekt-Produkt „Einkauf-Aktuell“ testet die Post bereits die Zustellung eines wöchentlichen Fernsehprogrammhefts. Bei der geplanten Gratiszeitung soll es sich um ein Boulevardblatt ähnlich dem Springer-Blatt „Bild“ handeln.

Inzwischen formieren sich die Rivalen im Briefgeschäft, insbesondere die Pin Group der Zeitungsverleger. Erst kürzlich hat Axel Springer die Mehrheit am Post-Konkurrenten Pin für über 500 Mill. Euro erworben und will das Briefgeschäft zu einer Säule des Geschäfts ausbauen. Dies will Post-Chef Klaus Zumwinkel nicht auf sich beruhen lassen.

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