Deutsche Post
Lawrence Rosen: Kühler Rechner, heiß umworben

Lawrence Rosen geht als neuer Finanzvorstand zur Deutschen Post. Der 51-jährige US-Amerikaner genießt international einen hervorragenden Ruf bei Investoren und Privatanlegern. Sein alter Arbeitgeber Fresenius Medical Care hätte ihn gern gehalten.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Eigentlich wollte er nur zwei, drei Jahre in Deutschland bleiben. Jetzt könnten es gut und gerne auch 20 werden. Lawrence Rosen, bisher Finanzchef des Dialyse-Konzerns Fresenius Medical Care (FMC), wechselt in gleicher Funktion zur Deutschen Post AG. Der 51-Jährige löst John Allan (60) ab, der sich zur Jahresmitte zurückziehen will.

In den vergangenen Wochen war noch unklar, ob Rosen wirklich zum Logistikkonzern nach Bonn wechselt. Bei FMC in Bad Homburg wollte man ihn gerne behalten. Denn der US-Amerikaner Rosen, der nunmehr seit fast 15 Jahren in Deutschland arbeitet, gilt in der Finanzcommunity als ausgewiesener Experte seines Fachs. 2006 hatte er mit dafür gesorgt, dass die milliardenschwere Übernahme des Dialyse-Kliniken-Betreibers Renal-Care-Group in den USA recht reibungslos über die Bühne ging.

Rosen, der nach verschiedenen Stationen bei dem Pharmakonzern Hoechst, später Aventis, im November 2003 zu Fresenius Medical Care kam, steuert den vorwiegend in den USA tätigen Konzern aus Bad Homburg mit. Ben Lipps ist als CEO von FMC überwiegend für die operativen Einheiten in den USA, Europa und in anderen Regionen der Welt zuständig.

Rosen und Lipps traten auf Investorentreffen immer als sehr eingespieltes Team auf. Die Zuverlässigkeit, mit der FMC seine Prognosen eingehalten hat, die solide Entwicklung der Finanzkennzahlen und nicht zuletzt die sehr transparente, professionelle Berichterstattung – all das hat Rosen bei Analysten eine hohe Wertschätzung eingebracht.

Doch die Zeiten des Duos Lipps/ Rosen näherten sich ohnehin dem Ende, denn der Vertrag des 68-jährigen Lipps endet wie der von Rosen 2011. Und angesichts des Alters von Lipps gilt es als unwahrscheinlich, dass sein Vertrag verlängert wird.

Mit der Deutschen Post als neuem Arbeitgeber hat sich Rosen für ein Dax-Schwergewicht entschieden, das mehr als siebenmal größer ist als die ebenfalls im Dax notierte FMC. Auch das Gehalt dürfte bei der Post üppiger ausfallen. Der bisherige Post-Finanzvorstand John Allan verdiente 2008 insgesamt 1,64 Mio. Euro, davon etwas über eine Mio. Euro als Fixum und den Rest als sogenannte Nebenleistung, wie etwa Reisekostenerstattung. Vorstandschef Frank Appel kam auf knapp 1,5 Mio. Euro, hatte allerdings erst Ende Februar sein Amt angetreten. Rosen erhielt bei FMC zuletzt 1,47 Mio. Dollar, umgerechnet rund eine Mio. Euro. Langfristige Aktienoptionen der Manager sind nicht eingerechnet.

Rosen, der 2007 in einem Interview mit der FMC-Mitarbeiterzeitschrift „Fit“ von sich selbst behauptet, sehr direkt zu sein, schätzt es auch bei anderen nicht, wenn sie um den heißen Brei herumreden. Der Manager, der von Menschen, die mit ihm zu tun haben, als sympathisch und „für einen Finanzexperten ziemlich humorvoll“ beschrieben wird, verlangt Eigeninitiative und Eigenverantwortung. Mitarbeiter, die ihr Wohl in den Vordergrund stellen, schätzt er aber nicht: „Meine Devise lautet nicht, was ist gut für mich und meine Karriere, sondern, was ist am besten für das Unternehmen.“ Analysten wie Jochen Rothenbacher von Equinet lobten die Berufung Rosens, weil er in Finanzmarktkreisen als erfahren gelte und akzeptiert sei. Logistikexperten runzelten allerdings die Stirn. „Als CFO eines der größten Logistikkonzerne der Welt habe ich nicht unbedingt einen Pharma- und Gesundheitsmanager erwartet“, sagte der Hamburger Unternehmensberater Horst Manner-Romberg. Vorgänger John Allan war ursprünglich Chef des britischen Logistikers Exel, den die Post im Jahr 2005 übernommen hatte.

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