Deutsche Probleme in China Wo Sunwen der Boss ist

Freche Produktpiraterie und erzwungene Technologietransfers: Deutsche Unternehmen werden in China gegängelt. Die Zahl der Beschwerden steigt. Der deutsche Botschafter spricht von einer „unendlichen“ Liste der Probleme.
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Unter der Marke BOSS Sunwen werden in China Anzüge verkauft – der deutsche Hersteller Hugo Boss ist machtlos gegen die Produktpiraterie. Quelle: twitter.com/kuchens_
Werbung in Form einer Dosenpyramide

Unter der Marke BOSS Sunwen werden in China Anzüge verkauft – der deutsche Hersteller Hugo Boss ist machtlos gegen die Produktpiraterie.

(Foto: twitter.com/kuchens_)

PekingDie Stimmung im China-Geschäft war noch nie so schlecht. Die Zahl der Beschwerden und Hilfegesuche an die deutsche Botschaft in Peking hat seit zwei Jahren zugenommen und ist gerade seit Jahresanfang noch einmal „sehr stark in die Höhe geschnellt“, wie aus der deutschen Vertretung in Peking zu hören ist. Beklagt werden neue Marktbarrieren, erschwerte Lizenzverfahren, Diskriminierung gegenüber chinesischen Unternehmen, erzwungener Technologietransfer und unverändert freche Produktpiraterie.

Die Liste der Klagen ist so lang, dass die eineinhalb Tage, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ab Dienstag in Peking verbringt, kaum ausreichen werden. Ohnehin sorgen seine Pläne für einen Schutz vor unerwünschten Investitionen und einem Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologien für Verstimmung in China.

Dabei können chinesische Unternehmen in Deutschland und Europa nicht nur Hightech-Unternehmen, sondern auch Autobauer oder Banken kaufen, während deutschen Firmen solche Übernahmen in China untersagt sind.

Das beste Beispiel für Chinas „ökonomischen Nationalismus“ ist die Entwicklung von Elektroautos. Neue Gesetzespläne fordern von Herstellern, eine Lizenz zu beantragen und nicht nur ihre Produktion in China zu lokalisieren, sondern auch den Entwicklungsprozess. Die chinesischen Partner, ohne die ausländische Autobauer ohnehin nicht in China tätig sein dürfen, müssen dafür nachweisen, dass sie die E-Auto-Technologie komplett beherrschen. Somit müsse die deutsche Autofirma ihnen ihre ganze Technologie übergeben, wird geschildert.

„Wenn das geplante Gesetz so kommt, liefe das auf einen erzwungenen, kompletten Technologietransfer hinaus“, sagt ein Branchenkenner. Weiter gibt es Pläne, dass Autobauer nach einem Zeitplan einen bestimmten Anteil an E-Autos in China bauen müssen, und ansonsten Minuspunkte ansammeln. Zum Ausgleich müssten sie Pluspunkte von chinesischen Konkurrenten kaufen – und würden über solche Strafzahlungen ihre lokalen Wettbewerber sogar mitfinanzieren.

Ein Brief mit einer Bitte um Aufklärung, den Botschafter Michael Clauß vor vier Monaten an den Minister für Industrie und Informationstechnologie, Miao Wei, geschickt hat, ist nach dpa-Informationen bis heute unbeantwortet geblieben. „Die ausbleibende Reaktion bestätigt unsere große Sorge, dass damit auch industriepolitische Ziele verfolgt werden“, sagt eine Quelle.

Zwang zum Technologietransfer plagt auch andere Branchen.

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23 Kommentare zu "Deutsche Probleme in China: Wo Sunwen der Boss ist"

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  • Wer meinst mit Chinesen Geschäfte zu machen sollte früher aufstehen. . Das selbst produzierte Flugzeug sieht aus wie ein Airbus.
    EADS AIRBUS baut bereits ein zweites vom europäischen Steuerzahler finanziertes Werk mit dem Versprechen der Kommunisten ordentlich Flugzeuge zu kaufen.
    Die Technologie wird wie überall gestohlen- die Amerikaner haben ein solches Angebot dankend abgelehnt- aus gutem Grund!
    Bald wird in Finkenwerder der grosse Stellenabbau einsetzen wo bereits 6000 Leiharbeiter tätig sind. Proteste und Klagen vor den Arbeitsgerichten laufen bereits. Tom Enders macht wie immer zugeständnisse gegenüber den anderen Partnerländern und in Deutschland werden jede menge jobs abgebaut.In wenigen Jahren ist es soweit.Autohersteller verhalten sich nicht besser.Alle neuen Werke entstehen im Ausland.
    Deutschland schafft sich ab!

  • Harald, ich gebe Dir recht, zu viele junge Menschen sind "überstudiert" und leben oft noch bis zum 30/35 Lebensjahr (bei geplanter Promotion) bei Mutti & Vati und haben bis dahin vielfach ihr eigenes Leben nicht in die Hand genommen.

    Arrogant wird dann nach Studienabschluss auf die Praktiker herab geschaut. Dass diese Gestalten aber noch nicht einen EURO durch qulifizierte Arbeit erwirtschaftet haben, kehren sie gerne unter den Tisch ...

  • bekommen zu haben ...

  • Mit Haupt- oder Realschulabschluss ...

    Es fehlen überall Handwerker und Facharbeiter, warum wohl?
    Hinzu kommt, das eine Akademiker erst mit Ende 20 ins Berufsleben einsteigen.
    Die kommen bei den Renteneinzahlungsbeträgen niemals auf die 45 Jahre des Durchschnittsrentners. Diejenigen, die dann im Dienstleistungsprekariat schuften, müssen sich dann von diesen Schnöseln noch anhören, nichts im Leben auf die Reihe gekommen zu haben und selbst Schuld zu sein an der eigenen Lebenssituation. Genau das ist auch ein Grund, warum es bald knallen wird. Weil man niemandem mehr den Respekt und die Wertschätzung entgegenbringt, welche auch diese Menschen, die jeden Tag euren Scheissdreck wegmachen vedienen. Wir leben in einer narzisstischen Gesellschaft, die sich nur noch über ihre Berufstätigkeit und ihren Geldbeutel definiert. Und hört auf mit der NEIDdebatte, es geht nicht um Neid oder Missgunst, es geht um Gerechtigkeit, Anerkennung und Wertschätzung.

  • @ Leo Löwenstein

    Die bayerische Kabarettistin Martina Schwarzmann brachte es vor einigen Jahren, allerdings in anderer Hinsicht, auf den Punkt:

    Deaf´s a bissal mehra sei?

  • Frustrierte, desillusionierte Polizisten und natürlich unsere Bundeswehrsoldaten, welche heutzutage als „Kampftruppe“, welche einmal als eine reine VERTEIDIGUNGsarmee unseres Staatsgebietes aufgebaurt wurde, in Ländern in welchen wir rein gar nichts zu suchen haben, in Kriegseinsätze ziehen.
    Die Bundeswehr ist mittlerweile zu einer Söldner-Berufsarmee mutiert und verkommen.
    Warum wird sie nicht umbenannt in „German Army“, wierd ja eh alles amerikanisiert, Grundschuler sollen jetzt bereits zweisprachig aufwachsen. Warum, lässt man die Kinder nicht Kinder sein? Die Welt ist krank, die Menschen sind krank, weil das System, in welchem wir leben krank ist! Aus dem Arbeitsamt wurde das Jobcenter, aus Arbeitslosen wurden „Kunden“. Da dann nicht selbst irgendwann durchzudrehen ist die große Lebenskunst.

    Alle werden von der Politik verheizt, das ist mal Fakt.
    Zu hinterfragen wäre aber auch, warum Menschen als Berufsziel diesen Weg noch einschlagen. Oft sind es eben Menschen, die ansonsten in der globalisierten Welt eher schlechte Chancen hätten aufzusteigen. Mir Haupt- oder Realschulabschluss zählt man im Deustchland des Jahres 2016 ja bereits zu den Systemverlierern. Das DIENSTLEISTUNGSPREKARIAT! Aber seid euch sicher, irgendwann werden sich diese Menschen gegen eure neue Weltordnung wehren und massiv Widerstand leisten. Der Tag wird kommen.

  • Ist doch alles ein alter Hut und man konnte es durchaus kommen sehen.

    Dass China nur auf das Abschöpfen von Know How ankommt, ist seit Jahren klar.
    Nur der Gier der Manager und Aktieninhaber/Investoren ist es geschuldet, dass man immer mehr davon preis geben muss.

    Einen technologischen Vorsprung wid es dann nicht mehr geben, da dann sogar in China entwickelt und geforscht werden muss.

    Und bei uns werden sie so blöd äh gierig sein, das auch noch mitzumachen.
    Hier wäre mal das Europäische Parlament gefragt. Erlast ein Gesetz, wonach ausländische Unternehmen hier in der EU genau das machen dürfen, was unsere Firmen dort dürfen.

    Die Zeit des Gutmenschentums geht zu Ende. Die Welt ist nicht gut, der Mensch an sich auch nicht, er ist ein Raubtier. Das schlimmste von allen. Er macht weiter, selbst wenn er satt ist.

  • @ Harald

    Dieser Tage erfuhr ich, dass in Gesamtdeutschland rund 16.000 Polizisten an allen Ecken und Kanten durch "natürliche Fluktuation" (Jobs werden bei Eintritt ins Pensionsalter, Krankheit oder anderen Gründen nicht wieder nachbesetzt) fehlen.

    Unter diesen katastrophalen Bedingungen kann Niemand ernsthaft erwägen PolizistIn zu werden ...

  • ... Polizei- und Überwachungsstaat nichts mehr.

  • @ Thomas
    „Mal schauen wann in Deutschland die ersten sozialen Aufstände ausbrechen.
    Ich vermute bald ...“

    Die Zivilgesellschaft wird endgültig kippen, wenn ...

    - ein großer erfolgreicher IS-Anschlag in D glückt
    - die Rentenlüge platzt
    - „Schutzsuchende“ sich nicht integrieren wollen oder integrieren lassen
    - das Sozialsystem kollabiert (siehe unser Grundgesetz!)
    - Maschinen vor Menschen kommen - die Emphatie für den Mitmenschen stirbt endgültig
    - Narzissten in allen relevanten Macht- und Entscheidungspositionen sitzen

    Viele von den oben aufgezählten Punkten sind schon aktut präsent.
    Es fehlt jetzt nur noch der letzte Funke, der das ganze fragile Konstrukt zum Expldieren bringt.
    Wenn die Masse der Abgehängten rebellieren und sich gegen diesen Staat wenden, dann nützt auch der beste Polizeistaat nichts mehr. Viele Polizisten sind nämlich selbst seit langem frustriert und werden von der Politik im Stich gelassen. Ein Freund von mir ist Polizist, der bereut es zutiefst, diesen Beruf ergriffen zu haben, er ist extrem gefrustet über die jetzigen Zustände!

    Bundesrepublik Deutschland lt. GG => Ein Sozialstaat ist ein Staat, der in seinem Handeln soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit anstrebt, um die Teilhabe aller an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen zu gewährleisten. Bezeichnend ist auch die konkrete Gesamtheit staatlicher Einrichtungen, Steuerungsmaßnahmen und Normen, um das Ziel zu erreichen, Lebensrisiken und soziale Folgewirkungen abzufedern. Der Staat verpflichtet sich, in Gesetzgebung und Verwaltung für einen sozialen Ausgleich der Gesellschaft zu sorgen.

    Betonung liegt auf „DER TEILHABE ALLER“, die seit der Agendapolitik von Rot Grün nicht mehr gegeben ist.

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