Deutsche Probleme in China
Wo Sunwen der Boss ist

Freche Produktpiraterie und erzwungene Technologietransfers: Deutsche Unternehmen werden in China gegängelt. Die Zahl der Beschwerden steigt. Der deutsche Botschafter spricht von einer „unendlichen“ Liste der Probleme.
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PekingDie Stimmung im China-Geschäft war noch nie so schlecht. Die Zahl der Beschwerden und Hilfegesuche an die deutsche Botschaft in Peking hat seit zwei Jahren zugenommen und ist gerade seit Jahresanfang noch einmal „sehr stark in die Höhe geschnellt“, wie aus der deutschen Vertretung in Peking zu hören ist. Beklagt werden neue Marktbarrieren, erschwerte Lizenzverfahren, Diskriminierung gegenüber chinesischen Unternehmen, erzwungener Technologietransfer und unverändert freche Produktpiraterie.

Die Liste der Klagen ist so lang, dass die eineinhalb Tage, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ab Dienstag in Peking verbringt, kaum ausreichen werden. Ohnehin sorgen seine Pläne für einen Schutz vor unerwünschten Investitionen und einem Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologien für Verstimmung in China.

Dabei können chinesische Unternehmen in Deutschland und Europa nicht nur Hightech-Unternehmen, sondern auch Autobauer oder Banken kaufen, während deutschen Firmen solche Übernahmen in China untersagt sind.

Das beste Beispiel für Chinas „ökonomischen Nationalismus“ ist die Entwicklung von Elektroautos. Neue Gesetzespläne fordern von Herstellern, eine Lizenz zu beantragen und nicht nur ihre Produktion in China zu lokalisieren, sondern auch den Entwicklungsprozess. Die chinesischen Partner, ohne die ausländische Autobauer ohnehin nicht in China tätig sein dürfen, müssen dafür nachweisen, dass sie die E-Auto-Technologie komplett beherrschen. Somit müsse die deutsche Autofirma ihnen ihre ganze Technologie übergeben, wird geschildert.

„Wenn das geplante Gesetz so kommt, liefe das auf einen erzwungenen, kompletten Technologietransfer hinaus“, sagt ein Branchenkenner. Weiter gibt es Pläne, dass Autobauer nach einem Zeitplan einen bestimmten Anteil an E-Autos in China bauen müssen, und ansonsten Minuspunkte ansammeln. Zum Ausgleich müssten sie Pluspunkte von chinesischen Konkurrenten kaufen – und würden über solche Strafzahlungen ihre lokalen Wettbewerber sogar mitfinanzieren.

Ein Brief mit einer Bitte um Aufklärung, den Botschafter Michael Clauß vor vier Monaten an den Minister für Industrie und Informationstechnologie, Miao Wei, geschickt hat, ist nach dpa-Informationen bis heute unbeantwortet geblieben. „Die ausbleibende Reaktion bestätigt unsere große Sorge, dass damit auch industriepolitische Ziele verfolgt werden“, sagt eine Quelle.

Zwang zum Technologietransfer plagt auch andere Branchen.

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  • Wer meinst mit Chinesen Geschäfte zu machen sollte früher aufstehen. . Das selbst produzierte Flugzeug sieht aus wie ein Airbus.
    EADS AIRBUS baut bereits ein zweites vom europäischen Steuerzahler finanziertes Werk mit dem Versprechen der Kommunisten ordentlich Flugzeuge zu kaufen.
    Die Technologie wird wie überall gestohlen- die Amerikaner haben ein solches Angebot dankend abgelehnt- aus gutem Grund!
    Bald wird in Finkenwerder der grosse Stellenabbau einsetzen wo bereits 6000 Leiharbeiter tätig sind. Proteste und Klagen vor den Arbeitsgerichten laufen bereits. Tom Enders macht wie immer zugeständnisse gegenüber den anderen Partnerländern und in Deutschland werden jede menge jobs abgebaut.In wenigen Jahren ist es soweit.Autohersteller verhalten sich nicht besser.Alle neuen Werke entstehen im Ausland.
    Deutschland schafft sich ab!

  • Harald, ich gebe Dir recht, zu viele junge Menschen sind "überstudiert" und leben oft noch bis zum 30/35 Lebensjahr (bei geplanter Promotion) bei Mutti & Vati und haben bis dahin vielfach ihr eigenes Leben nicht in die Hand genommen.

    Arrogant wird dann nach Studienabschluss auf die Praktiker herab geschaut. Dass diese Gestalten aber noch nicht einen EURO durch qulifizierte Arbeit erwirtschaftet haben, kehren sie gerne unter den Tisch ...

  • bekommen zu haben ...

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