Deutsche Sozietäten beackern meist nur den heimischen Markt
Law Firms hängen die kleinen Kanzleien ab

Die deutsche Anwaltschaft bewegt sich immer stärker auf eine Spaltung zu. Vor allem in Sachen Berufspolitik ziehen die großen Law Firms immer seltener mit den kleinen und mittelgroßen Kanzleien an einem Strang.

HB DÜSSELDORF. Dies hat ein wachsendes Konfliktpotenzial, schärfere Töne - und den stetigen Rückzug der großen Sozietäten aus dem berufspolitischen Engagement zur Folge. Nach einer neuen Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, gehören dem 137 Mitglieder zählenden Anwaltsparlament nur noch sechs Advokaten aus Großkanzleien an. "Die grenzüberschreitend tätigen wirtschaftsrechtlichen Kanzleien", klagt Hans Hellwig, -Jürgen ehemaliger Präsident des Rats der Anwaltschaften in der EU, "fühlen sich dort mit ihren Problemen nicht mehr wahrgenommen".

Ein Thema, das auch die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) und den deutsche Anwaltverein (DAV) umtreibt. "An der Klage ist was dran", sagt DAV-Präsident Hartmut Kilger, selbst Einzelanwalt. "Aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus. Die Kleinen fühlen sich von den Großen ignoriert".

Damit wird eine Entwicklung offensichtlich, die sich schon seit längerem abzeichnet. Während die aus der Fusionswelle der 90er Jahre hervorgegangenen Anwaltsfabriken mehr und mehr zu internationalen Dienstleistungsunternehmen werden, besteht die Mehrzahl der deutschen Kanzleien noch immer aus kleine Sozietäten - und die beackern meist nur den heimischen Markt.

Die Probleme, mit denen die Sozieäten zu kämpfen haben, sind deshalb längst völlig verschieden. "Mittlerweile besteht eine weitestgehende Trennung der Geschäftsfelder", sagt Rainer Maschmeier von der Großkanzlei Clifford Chance.

Und das setzt sich in der Berufspolitik fort. Die kleineren Sozietäten treiben vor allem nationale Fragen der Werbung, der Gebührenordnung und Fortbildung um. Die internationalen Kanzleien kämpfen dagegen mit Problemen bei grenzüberschreitender Tätigkeit. Als Folge ignorieren immer mehr Law-Konzerne die Berufsorganisationen: "Erfahrene Anwälte gehen da kaum noch hin", sagt Hellwig, selbst Partner der Großkanzlei Hengeler Mueller, "sondern verdienen in der Zeit lieber Geld". Ähnlich sieht es Günther Heckelmann, Managing Partner Deutschland der Top-Ten Kanzlei Baker McKenzie. Viele Großkanzleien, so Heckelmann, würden bereits die Anwaltskammern meiden - über die die Wahl ins Anwaltsparlament erfolgt.

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